Berlin/Los Angeles (dpa) - Ein betont lässiger Auftritt und ein verschmitztes Bubi-Lächeln sind die Markenzeichen von Andrew Mason. Mit seinem Internet-Shopping-Dienst Groupon geht der 30-Jährige jetzt an die Börse und heizt damit die Fantasie der Investoren an.

«Es ist ein Spiel», sagte Mason im Januar auf einer Konferenz in München, wo er sich kurzärmelig im Sessel lümmelnd von Moderatorin Kara Swisher mit Fragen bedrängen ließ, warum er gerade sechs Milliarden Dollar von Google für den Kauf seines Unternehmens ausgeschlagen hat.

«Für einen Absprung ist es noch zu früh», sagte Mason damals. Jetzt stellte er sich in Los Angeles wieder den Fragen von Kara Swisher. Diesmal aber erschien er zur Konferenz D9 mit Anzug und Krawatte - kurz vor der Nachricht des geplanten Börsengangs war Mason um eine seriöse Erscheinung bemüht. Schließlich will er beim IPO, dem «Initial Public Offering» der Groupon-Aktie, bis zu 750 Millionen Dollar (520 Millionen Euro) an Kapital einheimsen, um den Groupon-Erfolg weiter auszubauen.

«Wir sind 2008 mit einer Website gestartet», erklärt Mason. «Wir dachten: Lass uns 80 Leute zusammenbekommen, damit wir beim Einkaufen einen Rabatt erhalten.» Jetzt sind es mehr als 83 Millionen Nutzer in über 40 Ländern, die sich mit Hilfe der Groupon-Plattform zum verbilligten Einkauf von Produkten oder Dienstleistungen vernetzen. Groupon selbst kassiert dafür eine Provision. Im ersten Quartal dieses Jahres kam so ein Umsatz von annähernd 645 Millionen Dollar zusammen.

Gewinne allerdings springen bislang noch nicht heraus. Der Ausbau des Portals und die Entwicklung neuer Dienste kosten viel Geld. Zur Anmeldung des Börsengangs musste Mason die Karten auf den Tisch legen und einen Nettoverlust von 456,3 Millionen Dollar einräumen - im ersten Quartal dieses Jahres war Groupon mit 146,5 Millionen Dollar in den roten Zahlen. Mason kann dabei offenbar ruhig schlafen. Seine größte Angst, so sagte er am Mittwoch in Los Angeles, sei es, nicht schnell genug zu wachsen.

Die Dienstleistung von Groupon wirkt auf den ersten Blick nicht besonders innovativ. Dahinter steht aber das Konzept, lokal und global zusammenzuführen, also das konkrete Leben der Menschen an ihrem Wohnort mit den Möglichkeiten der weltweiten digitalen Vernetzung. Und solche «Location based services», ortsbezogene Internet-Dienste, gelten neben den Sozialen Netzwerken wie Facebook als wichtiger Zukunftstrend. «Ich würde Groupon nicht als Rabattdienst bezeichnen», sagte Mason auf der DLD-Konferenz in München. «Es geht um lokalen E-Commerce, und da sind Rabatte ein zentraler Eckstein.»

Groupon sei eine zusätzliche Möglichkeit für Handelsunternehmen, Geschäfte zu machen, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbands HDE, Kai Falk. Allerdings gebe es in Deutschland bereits eine Vielzahl von Rabattmöglichkeiten. «Ob Groupon auch in Deutschland funktioniert, wird erst die Zeit zeigen.»