Los Angeles (dpa) - Sebastian Zbik ist der Letzte der Mohikaner. Der 29 Jahre alte Schweriner von der Hamburger Universum Promotion ist der einzige Boxweltmeister, den der einst größte Boxstall Europas noch hat.

Am Sonntagmorgen deutscher Zeit bietet er im Staples Center von Los Angeles seinen WM-Gürtel des World Boxing Council (WBC) im Mittelgewicht feil. Der, der ihn haben will, trägt einen großen Namen: Julio Cesar Chavez aus Mexiko. Es handelt sich um den 25-jährigen Sohn des gleichnamigen Vaters, der mit dem Rekord von 37 WM-Kämpfen sowie 107 Siegen in 115 Kämpfen Box-Geschichte geschrieben hat.

Auf Zbik lasten mehrere Bürden. Er muss den Titel im Ausland verteidigen, was deutlich schwerer als zu Hause ist. Zudem fällt der überdimensionale Schatten von Idol Max Schmeling auf ihn. Der damalige Schwergewichtsweltmeister war vor 80 Jahren der letzte Deutsche, der einen WM-Kampf in den USA gewann. Schlägt Zbik den unbesiegten Chavez, hätte eine riesige Lücke geschlossen. Champions wie Henry Maske, Sven Ottke oder Dariusz Michalczewski haben Amerika-Kämpfe stets vermieden. Lediglich Felix Sturm wagte es 2004 - und verlor den WM-Titel an Oscar de la Hoya.

Allein die Erwähnung des ewigen Sportidols Schmeling ist für Zbik wie ein Ritterschlag. «Ich würde mich nie mit ihm auf eine Stufe stellen. Aber wenn man allein schon die Chance hat, sich mit ihm irgendwie in Verbindung zu bringen, ist das eine Riesensache», bekennt der gebürtige Mecklenburger ehrfurchtsvoll.

Für Zbik, der alle seine 30 Profikämpfe gewann, geht es vor allem um die eigene Zukunft. Das Schicksal des Heimatstalls lässt ihn aber nicht kalt. «Ich möchte nicht derjenige sein, der dafür sorgt, dass bei Universum die Lichter ausgehen», sagte der Schützling von Trainer Michael Timm der Zeitung «Die Welt».

Seit dem Ende des Fernsehvertrages mit dem ZDF vor einem Jahr sucht Universum nach Geldgebern. Bislang Fehlanzeige. Zuletzt mussten die Hamburger einen weiteren Wirkungstreffer einstecken: Dem Schweriner Jürgen Brähmer wurde der WM-Titel aberkannt, weil er zum dritten Mal wegen Erkrankung oder Verletzung nicht angetreten war.

Zbik, sympathisch, intelligent und eloquent, wäre eine Figur fürs Fernsehen - so wie einst Maske. Doch was der «Gentleman» nicht konnte, nämlich Gegner reihenweise k.o. hauen, kann auch Zbik nicht. Beide sind Feinmotoriker im Ring, technisch versierte Faustfechter. Universum hofft, aber Geschäftsführer Dietmar Poszwa klingt verhalten: «Sebastian kämpft hier für sich in erster Linie. Alles andere wird sich danach ergeben.»