München (dpa) - Es ist der Höhepunkt der Münchner Opernfestspiele: An diesem Freitag feiert Olivier Messiaens «Saint François d'Assise» Premiere an der Bayerischen Staatsoper. Inszeniert hat die Oper in drei Akten über den heiligen Franz von Assisi der Wiener Skandal-Künstler Hermann Nitsch, der unter anderem für seine Bilder aus Tierblut und sein «Orgien-Mysterien-Theater» bekannt ist.

Er wolle der Komposition des tief gläubigen Messiaen gerecht werden und sich selbst zurückhalten, sagte Nitsch im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. «Ich möchte Diener dieser Sache sein und möchte mich aussagemäßig überhaupt nicht einbringen.» Und schockieren wolle er auch nicht - auch wenn eine Szene eine blutige Kreuzigung zeige. «Ich will Intensität.»

Nach Angaben von Opernintendant Nikolaus Bachler ist es das erste Mal, dass «Saint François» in München auf die Bühne gebracht wird. Bachler spricht von einem «Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts» und von einem «Mammutwerk». Er habe sich ganz bewusst für Nitsch als Regisseur entschieden, betonte Bachler: «Man darf nicht nur im eigenen Saft schmoren, daher war die bildende Kunst immer ein wichtiger Punkt. Religion, Stigma, Glaube, Transzendenz, das sind alles die Themen von Nitschs Arbeit.»

Die musikalische Leitung übernimmt der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, Kent Nagano, der lange mit Messiaen befreundet war, ihm bei der Uraufführung 1983 assistierte und dieses Werk wie kaum ein Zweiter kennt.

Die Münchner Opernfestspiele waren am Samstag mit der traditionellen Festspielnacht gestartet. Die zweite große Premiere gibt es am 21. Juli mit Mozarts Frühwerk «Mitridate, Rè di Ponto» im Prinzregententheater. Regie führt dabei David Bösch, am Pult steht mit Dirigent Ivor Bolton ein erfahrener Mozart-Interpret. Auf dem Programm des mehr als 130 Jahre alten Festivals stehen außerdem Wagners «Lohengrin» oder Richard Strauss' «Ariadne auf Naxos».

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