Frankfurt/Main (dpa) - Flugreisende müssen sich im Urlaubsmonat August auf Streiks der Fluglotsen einstellen. Im Tarifkonflikt der Beschäftigten bei der Deutschen Flugsicherung begann am Donnerstag die Urabstimmung.

Die Briefwahl wird bis zum 29. Juli laufen, danach beginnt die Auszählung, wie der Sprecher der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), Matthias Maas, der Nachrichtenagentur dpa sagte: «Vorher wird es keine Arbeitskampfmaßnahmen geben.» Damit drohen im August, wenn in vielen Bundesländern Schulferien sind, bundesweit Verspätungen und Flugausfälle.

Allerdings könnten die Arbeitgeber bei der Deutschen Flugsicherung DFS die Schlichtung anrufen, wenn sich die 3400 GdF-Mitglieder in der Urabstimmung für einen Ausstand entscheiden. Damit wären Streiks für die Dauer des Vermittlungsversuchs ausgeschlossen. Die DFS hatte einen Streik als «unverantwortlich» bezeichnet, weil er auf dem Rücken der Airlines und ihrer Kunden ausgetragen und einen immensen wirtschaftlichen Schaden anrichten würde.

Der Konflikt ist festgefahren, weil es nicht nur um mehr Geld und Einfluss geht, sondern auch um grundlegende Fragen der Arbeitsorganisation. GdF-Sprecher Maas kritisierte: «Es besteht ein gewisser Verhandlungsstillstand in nahezu jedem Tarifthema, und wir fragen uns ernsthaft, was die DFS mit dieser Taktik erreichen möchte. Mitarbeitermotivation sicherlich nicht.»

Bei dem Tarifstreit geht es nicht nur um unterschiedliche Vorstellungen über die Gehaltszuwächse. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld, die Arbeitgeber bieten 1,1 Prozent. Zudem will die GdF ihre Zuständigkeit auf weitere Berufsgruppen in der DFS ausdehnen und bestehende Beförderungsregelungen reformieren. Darüber hinaus wird über Arbeitszeiten, freie Tage, Pausen und Personalpläne gestritten. Der Großteil der etwa 1900 DFS-Fluglotsen verdient nach Arbeitgeberangaben mehr als 100 000 Euro pro Jahr.

GdF-Brief an Mitglieder

Hintergrund aus GdF-Sicht