Berlin (dpa) - Ein Traum ging in Erfüllung: Im Sommer 2010 unterschrieb der Fußballer Mike Wunderlich beim FSV Frankfurt einen Profivertrag. Es ging rasch aufwärts. Er schoss in 28 Zweitliga-Spielen fünf Tore. Dann streikten Körper und Psyche: Im April wurde er krankgeschrieben: Burnout-Syndrom.

Wunderlich wechselte auf eigenen Wunsch als Leihspieler zum fünftklassigen Club Viktoria Köln. Um in seiner Heimatstadt Kraft zu schöpfen, sagt der 25-Jährige. Die Erkrankung von Wunderlich ist kein Einzelfall im Profisport, doch psychische Probleme werden nach Ansicht von Experten dort oft noch verdrängt.

Besonders für Sportler sei es oft schwierig, über das innere Ausgebranntsein zu sprechen, sagt der Diplompsychologe Lothar Linz der Nachrichtenagentur dpa. «Das Medieninteresse, in dem Spitzensportler stehen, macht es für sie nicht gerade leicht.» Profisportler seien körperlich extrem belastet und fänden viel zu wenig Zeit zur Erholung. Clubs und Verbände müssten verständnisvoller mit psychischen Problemen ihrer Sportler umgehen, so Linz - eine Forderung, die es auch schon nach dem Tod von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke gab.

Viele Tennisspieler hetzen fast das ganze Jahr von Turnier zu Turnier, auch für Handballer ist der Terminkalender mit Bundesliga, Europacup oder Weltmeisterschaften sehr voll. «Ein Highlight jagt das nächste», sagt Linz, langjähriger Psychologe des deutschen Hockey-Herrennationalteams. Das Ergebnis: «Der Körper ist über eine lange Zeit überfordert. Der Akku ist irgendwann leer.» Dann treten als Burnout-Symptome Unkonzentriertheit, innere Unruhe und Appetitlosigkeit auf. Viele Betroffene sind leicht gereizt und regen sich auch über Kleinigkeiten auf. Manche werden zu Einzelgängern.

Jeder fünfte Mensch habe Schätzungen zufolge mindestens einmal in seinem Leben mit Burnout oder Depressionen zu kämpfen, erläutert die Psychologin Marion Sulprizio von der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Grenze zu einer Depression sei beim Burnout fließend.

Zu den bekanntesten Burnout-Patienten im Profisport der vergangenen Jahre gehören Skispringer Sven Hannawald, Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno und Bundesliga-Fußballer Jan Simak. «Viele Profis wollen immer hundert Prozent geben und haben enorm hohe Ansprüche an sich selbst», betont Sulprizio. Auch Hochleistungssportler könnten nicht ständig am Limit aktiv sein. Wenn sie ihren Körper überfordern und ihre Leistung nachlässt, werden sie frustriert. «Um wieder besser zu werden, trainieren sie noch mehr, aber dadurch wird alles nur noch schlimmer. Sie stecken fest in einer Abwärtsspirale», erklärt die Sportpsychologin.

Trainer und Team-Betreuer müssten aufmerksamer werden, fordert Sulprizio, die ein Netzwerk für psychische Gesundheit im Profisport mitentwickelt. Zu oft setzten markige Sprüche wie «Nur die Harten kommen in den Garten» die Profis unter Druck. «Die Clubs und Sportler müssen akzeptieren, dass mal eine schwächere Leistung ganz normal ist», sagt sie. Mit mehr Kreativität und verspielten Komponenten im Training könnte der psychische Druck gesenkt werden. Außerdem hätten Sportler oft keinen «Plan B», weil sie alles auf die Profikarriere gesetzt hätten. Deshalb sei es wichtig, sie auf die Möglichkeit von Studium oder Lehre abseits des Sports hinzuweisen. So könnte das Gefühl der Ausweglosigkeit verhindert werden.