London (dpa) - Der Serbe Novak Djokovic hat sein furioses Tennis-Jahr mit dem Sprung an die Spitze der Weltrangliste gekrönt. Der 24-Jährige zog durch das 7:6 (7:4), 6:2, 6:7 (9:11), 6:3 über den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga ins Endspiel von Wimbledon gegen Titelverteidiger Rafael Nadal ein.

Zugleich beendete der Australian-Open-Champion die Dauer-Regentschaft seiner großen Rivalen Nadal und Roger Federer. «Mein Traum ist wahr geworden. Ich habe meine Leben lang dafür gearbeitet», sagte der überglückliche Djokovic nach den «größten Gefühlen, die ich je auf dem Platz hatte».

Drei Stunden später zerstörte der Spanier Nadal durch das 5:7, 6:2, 6:2, 6:4 über Andy Murray die Hoffnungen der britischen Fans auf den ersten Heimsieg seit Fred Perrys Triumph vor 75 Jahren. Für den Schotten war es die dritte Halbfinal-Pleite an der Church Road in Serie und die zweite gegen den Kämpfer aus Mallorca. «Ich bin sehr glücklich, wieder im Finale zu sein. Gegen Novak wird es sehr schwer für mich werden», sagte French-Open-Sieger Nadal.

Wie für seinen Vorgänger Tim Henman scheint auch für Murray die Last der Erwartungen erdrückend zu sein. Zwar gewann der 24-Jährige den ersten Satz. Doch danach biss sich der zehnmalige Grand- Slam-Champion Nadal in die Partie und machte seinen 20. Erfolg in Wimbledon nacheinander souverän perfekt. «Ich glaube fest daran», dass ich gegen ihn gewinnen kann», sagte Djokovic mit Blick auf das Finale furioso der 125. All England Championships am Sonntag. Mut macht ihm zusätzlich, dass er Nadal in dieser Saison bereits in vier Endspielen geschlagen hat.

Seit dem 2. Februar 2004 hatte immer einer der beiden langjährigen Dominatoren Federer oder Nadal an der Spitze des Rankings gethront - nun durchbrach Djokovic ihre Phalanx. Am Montag wird der Davis-Cup-Sieger erstmals als neue Nummer 1 geführt - der Lohn für seine herausragende Saison. Gegen Tsonga baute Überflieger Djokovic seine imposante Jahresbilanz auf 47:1 Siege aus. «Sie geben dir nicht viele Chancen, um Nummer 1 zu werden. Ich denke, dafür darfst du nur ein Spiel in sieben Monaten verlieren», sagte Djokovic lachend.

Die Berlinerin Sabine Lisicki greift nach ihrem Halbfinal-Aus im Einzel nach dem Titel in der Doppel-Konkurrenz. An der Seite der Australierin Samantha Stosur stand es 6:3, 4:6, 5:5 gegen die «Lucky Loser»-Paarung Marina Erakovic/Tamarine Tanasugarn (Neuseeland/Thailand), ehe das Halbfinale wegen Dunkelheit unterbrochen und auf Samstag verschoben wurde.

Gegen Djokovic machte Überraschungsmann Tsonga anfangs genau da weiter, wo er gegen den sechsmaligen Wimbledon-Champion Federer aufgehört hatte. Der 26-Jährige nahm dem Serben gleich das erste Aufschlagsspiel ab und hielt bis zum 5:4 die Führung. Doch dann zeigte sich die ganze Klasse von Djokovic. Erst ein Break zum Ausgleich, dann nervenstark im Tiebreak - plötzlich lag der Favorit vorne. In einem fantastischen Match rissen Djokovic und Tsonga die Zuschauer immer wieder zu Begeisterungsstürmen hin. Fantastisch vor allem ihre drei Ballwechsel mit doppeltem Becker-Hecht, als beide Kontrahenten am Netz durch die Luft segelten.