Berlin (dpa) - Keine Zusammenlegung der S-Bahnen in Berlin und Hamburg: Die Deutsche Bahn hat entsprechende Medienberichte zurückgewiesen. «Eine Fusion steht nicht an und ist auch nicht geplant», erklärte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Montag.

«Für beide Bahnen gilt: Sie erfüllen ihre Aufgaben gemäß der laufenden Verkehrsverträge.» Der Bahnkonzern reagierte damit auf Medienberichte, wonach es im Vorstand Überlegungen geben soll, im Zuge einer Verschlankung des Konzerns die S-Bahnen der beiden größten deutschen Städte in einigen Jahren zu verschmelzen.

Die Berliner S-Bahn, die in normalen Zeiten auf ihrem 330 Kilometer langen Streckennetz werktags mehr als eine Million Fahrgäste befördert, war vor zwei Jahren in eine tiefe Krise mit zahllosen Zugausfällen gestürzt. Wegen Materialproblemen bei Rädern und Achsen, Problemen mit den Bremsen sowie Wartungsversäumnissen und Missmanagement drohte das Unternehmen zeitweise im Chaos zu versinken. Voraussichtlich wird die Tochter der Deutschen Bahn ihren Fahrgästen erst 2012 einen normalen Betrieb bieten können.

2010 hatte die Berliner S-Bahn einen Verlust von 222,2 Millionen Euro eingefahren, den der Konzern ausgleichen musste. In die Summe waren auch die Kosten für Freifahrten eingerechnet, mit denen das Unternehmen bei den Berlinern um Entschuldigung bat. Der Verkehrsvertrag des Unternehmens mit den Ländern Berlin und Brandenburg läuft Ende 2017 aus. Wie es dann weitergeht, steht noch nicht fest.

Die S-Bahnen Berlin und Hamburg waren erst im März 2010 in die Regionalzugsparte DB Regio eingegliedert worden. Damals wurden alle S-Bahnen des Konzerns unter einem Dach zusammengefasst. Damit wollte der Bahnvorstand - mit Blick auf das Desaster bei der Berliner Tochter - sicherstellen, dass die Qualitäts- und Sicherheitsstandards der Deutschen Bahn auch bei den S-Bahnen durchgesetzt werden.

Auf Unterstützung ihrer Schwesterbahn aus der Hansestadt durfte die Berliner S-Bahn auch in ihrer tiefsten Krise nicht rechnen. Denn die Betriebssysteme sind völlig unterschiedlich und jeweils einzigartig in Deutschland. Die Züge der Berliner S-Bahn fahren mit 650/700 Volt Gleichstrom, der über eine seitliche Stromschiene abgenommen wird. Die Züge der Hamburger S-Bahn fahren zwar ebenfalls mit Gleichstrom, allerdings mit 1200 Volt. Die anderen S-Bahnen hängen an normalen Wechselstrom-Oberleitungen mit 15 000 Volt.

Die Hamburger S-Bahn ist seit mehr als 100 Jahren in der Hansestadt unterwegs. Mehr als 220 Millionen Fahrgäste beförderte sie im vergangenen Jahr, vier Prozent mehr als 2009. Sie rühmt sich, dass im vergangenen Jahr 94,5 Prozent aller S-Bahnzüge pünktlich waren. Auf dem 147 Kilometer langen Schienennetz fahren sechs Linien.