Sindelfingen (dpa) - Mit seinen neuen Klima-Kanälen kann der Autobauer Daimler auf Knopfdruck Fahrzeuge von einem Wetterextrem ins nächste schicken. Die Anlage ist mit 70 mal 60 Metern fast so groß wie ein Fußballfeld und steht im Mercedes-Benz-Technologie-Zentrum in Sindelfingen.

Unter ihrem 18 Meter hohen Dach liegen zwei Röhren, die von einem Mess- und Kontrollzentrum aus steuer- und einsehbar sind. Kanal eins liefert heiße Bedingungen, sein Nachbar simuliert Kälte. Diverse Anlagen regeln Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windtempo. «Wir können hiermit das Klima der ganzen Welt erzeugen», sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Temperaturunterschiede von 100 Grad Celsius sind ebenso möglich wie Orkanböen von 265 Stundenkilometern, wahre Schneestürme, sintflutartige Regenfälle oder gnadenlose Hitze.

Ein Roboter fährt die Autos per Schienensystem in die Kanäle. Bei Bedarf werden die Wagen «konditioniert» - also vorbehandelt. Mehrere Kammern stehen dafür bereit, um die Fahrzeuge etwa einzufrieren.

In der Kammer testen die Ingenieure so grundlegende Dinge wie das Kaltstartverhalten oder Abschirmbleche für die Motoreneinheit. Doch auch die Feinabstimmung läuft dort. Eine moderne Klimaautomatik etwa registriert sogar den Stand der Sonne. Die verschiedenen Zonen der Anlage reagieren entsprechend und steuern je nach Seite intensiver.

Für Tests dieser Art hat der Wärme-Kanal daher auch Höhensonnen, die einem riesigen Solarium gleichen. Und sollen zusätzlich Wolken her, werden einfach Filter ausgeklappt. Auf Tests in der Realität verzichtet der Autobauer aber auch mit der neuen Technik nicht ganz. Nach den Vorbereitungen in den Kanälen geht es weiterhin etwa nach Dubai in die Wüste, in die USA ins Death Valley oder nach Schweden.