Shanghai (dpa) - Die Wasserspringer weinen Freudentränen und sorgen bei der Schwimm-WM in Shanghai für weitere Glücksmomente im deutschen Team. Keine 24 Stunden nach Silber durch Patrick Hausding und Sascha Klein gab es in Shanghai gleich zweimal Bronze.

Pavlo Rozenberg besiegte hinter zwei Chinesen vom Ein-Meter-Brett sein Titelkampf-Trauma. Christin Steuer/Nora Subschinski legten dann als Dritte und ebenfalls beste Europäer im Synchronspringen vom Turm nach. «Es ist schon sehr gut gelaufen, muss ich sagen», sagte Bundestrainer Lutz Buschkow.

Nach der Nullnummer der deutschen Wasserspringer vor zwei Jahren in Rom wollen sie nun den Startschuss für erfolgreiche Weltmeisterschaften gegeben haben. In den nächsten WM-Tagen haben sie weitere Chancen, dazu greifen die Medaillen-Garanten um Rekord-Weltmeister Thomas Lurz im Freiwasserschwimmen ins Geschehen ein. «Auf der emotionalen Woge der Freude über die Ergebnisse werden die sicherlich weitermachen», sagte Buschkow, der auch Leistungssportdirektor der ganzen WM-Truppe ist. Noch mehrfach will er Emotionen wie am Montag sehen, als im Team schwarz-rot-goldene Flaggen mit den Namenszügen der Podest-Springer geschwenkt wurden.

Da passte es ins Bild, dass auch die durch den Ausfall von Center Florian Naroska geschwächten Wasserballer durch ein 9:7 gegen den Olympia-Zweiten USA blendend in das Turnier starteten. Richtig bilderbuchmäßig laufen die Heim-Weltmeisterschaften indes für China an. Zwei Titel im Springen durch Li Shixin und Wang Hao/Chen Ruolin, dazu noch zweimal Silber. Viermal Gold macht das nach sechs Disziplinen. Die anderen beiden Siege gingen an Russland, am Dienstag folgte der zweite im Synchronschwimmen. Hier waren Serien-Weltmeisterin Natalia Ischtschenko und Swetlana Romaschina (Russland) zu stark für die Konkurrenz.

Während die Sieger des Tages alle keine Überraschung waren, hatte die beiden deutschen Bronzemedaillen kein Verbands-Verantwortlicher fest einkalkuliert. Umso reichlicher flossen die Freudentränen. Kurz nachdem die Synchronsprung-Frauen wieder aus dem WM-Becken von Shanghai gestiegen waren, fielen sich die beiden nach dem Blick auf die Anzeigetafel in die Arme und «fingen beide gleich an zu weinen», verriet Steuer. Zudem wurde in dieser Disziplin auch gleich der Quotenplatz für Olympia in London gebucht.

Das konnte Rozenberg in der nicht-olympischen Disziplin nicht, aber dafür brach er einen «Bann» (Buschkow). «Er ist vom Trainingsweltmeister zum Medaillengewinner der WM avanciert», lobte der Bundestrainer den Auftritt des gebürtigen Ukrainers. Bei der WM 2009 war der bald 28-Jährige in der selben Disziplin noch zum «Hitzeopfer» geworden und aus drei Metern nach einem missratenen Anlauf vom Brett gefallen. Auch vor einem Jahr bei der EM in Budapest hatte er nach einem Anlauf-Fehler eine Nullnummer kassiert. Nun gab es die Wiedergutmachung.

«Oh ja. Das ist ein schöner Ausgleich, auf jeden Fall», sagte Rozenberg, der von seinen Mannschaftskameraden nach dem überraschenden dritten Platz überschwänglich gefeiert wurde. Selbst bei ungeliebten Nachfragen auf die Negativerlebnisse der vergangenen beiden Jahre verging ihm das Lachen nicht. Aber groß drüber reden wollte der mental gestärkte Rozenberg darüber auch nicht mehr. «Es ist Vergangenheit und nicht gerade die schönste, am besten abhaken. Vergessen, so dass es nie existiert hat.»