Shanghai (dpa) - Im Wettkampf zeigte Pavlo Rozenberg endlich mal keine Nerven und sprang eiskalt zu Überraschungs-Bronze, in den Armen seiner Mannschaftskollegen vergoss er Freudentränen.

Die ganze deutsche Wassersprung-Delegation herzte den 27-Jährigen aus Riesa - jeder gönnte dem gebürtigen Ukrainer, der intern nur «Pasha» gerufen wird, diese WM-Medaille. «Das ist ein schöner Ausgleich, auf jeden Fall. Es hätte auch letztes Jahr klappen können», sagte Rozenberg. Nach der Siegerehrung musste er von Glückshormonen übermannt immer wieder lachen.

Der zweiten deutschen Medaille der Schwimm-Weltmeisterschaften von Shanghai nach Synchron-Silber durch Patrick Hausding und Sascha Klein war eine Leidensgeschichte der besonderen Art vorausgegangen. Der «Trainingsweltmeister» (Bundestrainer Lutz Buschkow) hatte nach EM-Bronze 2009 nur noch Pech bei internationalen Großereignissen.

Bei der WM vor zwei Jahren war Rozenberg in der selben Disziplin noch zum «Hitzeopfer» geworden und vom Drei-Meter-Brett nach einem missratenen Anlauf ins Wasser gefallen. Auch vor einem Jahr bei der EM in Budapest hatte er nach einem Anlauf-Fehler eine Nullnummer kassiert. Reden will Rozenberg über diese Negativerlebnisse immer noch nicht. «Es ist Vergangenheit und nicht gerade die schönste, am besten abhaken. Vergessen, so dass es nie existiert hat.»

Rozenberg musste sich bei seiner ersten WM-Medaille und der ersten deutschen vom Ein-Meter-Brett nur den Chinesen Li Shixin und He Min geschlagen geben. Die Gastgeber gewannen im dritten Sprung-Wettbewerb zum dritten Mal. Im Gegensatz zu anderen Konkurrenten zeigte Rozenberg in den letzten Durchgängen keine absoluten Höchstschwierigkeiten, sprang dafür aber sehr sauber. Trainer und Vater Boris Rozenberg schützte sich mit Piratentuch um den Kopf als Glücksbringer gegen die gleißende Sonne und sah gerührt bei der Siegerehrung seinem Sohn zu.

Bundestrainer Buschkow hatte Pavlo Rozenberg nach all dessen Negativerlebnissen alles andere als in Watte gepackt und ihn immer wieder gefordert. «Was die Anläufe angeht, haben wir schon sehr hart miteinander gesprochen. Er musste aus jeder Lage abspringen, egal, ob er auf dem Rücken oder Bauch landet.» In vielen Trainingseinheiten, in denen es auch mal um ein Bier als Wetteinsatz ging, sollte Rozenbergs Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit wachsen. Mit Erfolg. «Worüber ich mich besonders freue - dass Pasha nach zwei harten Jahren nicht aufgesteckt hat», sagte Buschkow mit stolzgeschwellter Brust.