Berlin (dpa) - Sie hat keinen Kopf, keine feste Organisation und keine Zentrale: Mit ihrer lockeren Struktur widersetzt sich die Hackergruppe Anonymous allen Versuchen der Behörden, ihre Aktionen dauerhaft zu stoppen.

Anonymous nutzt alle Möglichkeiten, die das Internet bietet, um mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Weil es keine klar umrissene Führung gibt, wechseln auch die Ziele der Gruppe. Ihre Angehörigen, unter ihnen auch Aktivisten in Deutschland, verbinden sich ad hoc zu einzelnen «Operationen».

«Es gibt keine Struktur, wenn du den Ideen von Anonymous folgst, bist du automatisch ein Anon», erklärte am Dienstag ein Teilnehmer in einem offenen Chat-Room der Gruppe. Die Anthropologin Gabriella Coleman von der Universität Princeton (New Jersey) sieht in Anonymous «eine Schnittstelle für Geeks, um politisch aktiv zu werden». Als Geeks gelten Computerexperten, die in ihrer eigenen Welt leben. Kleinster gemeinsamer Nenner bei Anonymous sei der Protest gegen «freiheitsfeindliche Organisationen», erklärt Colemann.

Hervorgegangen ist die Gruppe aus dem 2003 gegründeten Internetforum 4Chan. Ihr Wahrzeichen sind Masken, die dem Porträt des britischen Königsgegners Guy Fawkes (1570 - 1606) nachempfunden sind. Ihre Aktionen stellt die Gruppe unter das Motto «We are Anonymous. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us!» («Wir sind Anonymous. Wir sind viele. Wir verzeihen nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns!»)

Erstmals in Erscheinung trat Anonymous im Januar 2008 mit Protestaktionen gegen die Organisation Scientology. Im Dezember 2010 erlangte die Gruppe weltweite Aufmerksamkeit mit ihrer «Operation Payback» - Attacken auf die Webseiten von Kreditunternehmen, die Konten der Enthüllungsplattform WikiLeaks gekündigt hatten. Anfang dieses Jahres unterstützte Anonymous die Aufstandsbewegungen in Ägypten und Syrien. Sicherheitsbehörden in den USA und Großbritannien waren unter anderem das Ziel der «Operation AntiSec», zu der sich Anonymous im Juni mit der Gruppe LulzSec zusammenschloss.

«Die Idee Anonymous bietet eine gewisse Sicherheit, man geht in der Masse unter, das ist nicht greifbar», sagte der Berliner Netzaktivist Stephan Urbach im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Anonymous kann man nicht ausschalten.»