Bayreuth (dpa) - Die Richard-Wagner-Festspiele starten mit einem neuen «Tannhäuser» in ihre 100. Spielzeit. Zum runden Geburtstag des weltweit renommierten Opernfestes wird Sebastian Baumgarten am 25. Juli beim «Sängerkrieg auf der Wartburg» sein Regie-Debüt auf dem «Grünen Hügel» in Bayreuth geben.

Unter der musikalischen Leitung von Thomas Hengelbrock singt der Schwede Lars Cleveman die Titelrolle. Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier bekräftigte zu Beginn der Proben den hohen künstlerischen Anspruch der Festspiele bei der Interpretation der Werke ihres Urgroßvaters: «Wir wollen weltweit das Beste bieten.»

Die Festspiele selbst feiern ihren Geburtstag nicht. Die Blicke der Chefinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier richten sich vielmehr auf das Jahr 2013 mit dem 200. Geburtstag und dem 130. Todestag ihres Urgroßvaters. Dann soll eine Neuinszenierung der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» auf dem Spielplan stehen. Allerdings sind die beiden Festspielleiterinnen nach der Absage von Filmemacher Wim Wenders immer noch auf der Suche nach einem Regisseur. Zudem sollen 2013 Wagners Frühwerke «Die Feen», «Das Liebesverbot» und «Rienzi» in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Oper Leipzig in Bayreuth und in Wagners Geburtsstadt Leipzig aufgeführt werden.

Die Eröffnung der Festspiele lockt wieder zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur auf den «Grünen Hügel». Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Stammgast in Bayreuth, und etlichen Ministern werden unter anderem die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, sowie der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, John Dalli, zur Premiere erwartet. Angekündigt haben sich auch die Schauspieler Veronica Ferres, Maria Furtwängler und Edgar Selge.

In seinem «Tannhäuser» stellt Baumgarten den Konflikt des Titelhelden zwischen der sinnlichen Welt der Venus und dem klar strukturierten System auf der Wartburg in den Fokus. «Mir geht es nicht um die Sehnsucht nach traumhafter Opulenz, sondern um große grundlegende philosophische Aspekte», sagte Baumgarten der Nachrichtenagentur dpa. Die Auswahl der Sänger bezeichnet der 42-Jährige als «absoluten Glücksfall». Neben Lars Cleveman als Tannhäuser singen Michael Nagy den Wolfram von Eschenbach, Camilla Nylund die Elisabeth und Stephanie Friede die Venus. Günter Groissböck gibt den Landgraf, Lothar Odinius ist Walther von der Vogelweide.

Neben dem neuen «Tannhäuser» stehen in Wiederaufnahmen die «Lohengrin»-Inszenierung von Hans Neuenfels (Dirigent: Andris Nelsons), «Tristan und Isolde» in der Deutung von Christoph Marthaler (Dirigent: Peter Schneider), Stefan Herheims Interpretation des «Parsifal» (Dirigent: Daniele Gatti) sowie letztmals «Die Meistersinger von Nürnberg» auf dem Spielplan.

Mit diesem Werk hatte Festspielleiterin Katharina Wagner vor vier Jahren ihr Debüt als Regisseurin am «Grünen Hügel» gegeben. Am Pult im verdeckten Orchestergraben, dem «mystischen Abgrund», steht Sebastian Weigle. 2012 weichen die «Meistersinger» der Neuinszenierung der Oper «Der fliegende Holländer» durch Jan Philipp Gloger. Die musikalische Leitung hat dann Christian Thielemann.