Frankfurt/Main (dpa) - Erste Schritte zur endgültigen Lösung der Euroschuldenkrise haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag kräftig Auftrieb gegeben. Der Dax, der am Vormittag noch Verluste verbucht hatte, schloss 0,95 Prozent höher bei 7290,14 Punkten.

Der MDax stieg um 0,54 Prozent auf 10 828,47 Punkte. Der TecDax gewann 0,66 Prozent auf 845,55 Punkte. Dass die Staats- und Regierungschefs der Eurozone eine Ausbreitung der Schuldenkrise auf Länder wie Italien oder Spanien unbedingt verhindern wollen, sorgte für Kursgewinne. Griechenland erhält zudem frisches Geld zu niedrigen Zinsen und die Finanzbranche erklärte freiwillig ihre Bereitschaft zur Beteiligung an der Rettung Griechenlands.

«Es herrscht spürbare Erleichterung nach der aktuellen Nachrichtenlage», sagte Matthias Jasper, Leiter Aktienhandel bei der WGZ Bank. «Erste Schritte für eine tragfähige Lösung der Euroschuldenkrise wurden gemacht.» Nach der vorangegangenen Angst sei nun Zuversicht spürbar, dass gehandelt werde.

Nachdem Banken- und Versicherungsaktien bereits am Vortag zu den größten Gewinnern gehört hatten, legten sie erneut weiter zu. Im Dax gewannen die Anteilsscheine der Commerzbank 9,56 Prozent auf 2,750 Euro und besetzten damit abermals den Spitzenplatz. Die Papiere der Deutschen Bank stiegen um 3,07 Prozent auf 38,835 Euro und die der Allianz rückten um 2,36 Prozent vor. Im MDax waren die Titel der Aareal Bank mit etwas mehr als zehn Prozent Plus Spitzenwert, gefolgt von denen der Hannover Rück, die um 5,29 Prozent zulegten.

Technologiewerte litten dagegen unter den Quartalsberichten von Intel und Hynix: Der weltgrößte Halbleiter-Konzern Intel hatte zwar zum fünften Mal in Folge ein Rekordgeschäft gemeldet, doch der Ausblick für die PC-Sparte enttäuschte. Der koreanische Konzern Hynix, weltweit der zweitgrößte Hersteller von Memory-Chips für PC, hatte zur Vorlage seiner Quartalszahlen in dieselbe Kerbe geschlagen. Die Infineon-Aktien gaben um 1,19 Prozent auf 7,124 Euro nach, während im TecDax etwa Dialog Semiconductor 2,10 Prozent auf 13,490 Euro einbüßten.

Für die Tui-Titel ging es nach positiven Aussagen der Tochter L'Tur um 3,58 Prozent auf 6,716 Euro hoch. «Der Umsatz liegt schon jetzt deutlich über dem Vorjahreswert», hatte der Chef von Europas größtem Last-Minute-Anbieter, Markus Orth, der «Financial Times Deutschland» gesagt.

Europaweit und auch in den USA war die Erleichterung spürbar: Der EuroStoxx schloss mit plus 2,13 Prozent auf 2763,34 Punkten. Auch in Paris und London legten die Leitindizes zu. Besonders kräftige Gewinne aber verzeichneten die Börsen in Mailand und Madrid. So legte der spanische Ibex-35-Index um knapp drei Prozent zu und der italienische Mib sogar um knapp vier Prozent. In den USA gewannen die wichtigsten Indizes zum europäischen Handelsschluss jeweils rund ein Prozent.