New York (dpa) - Dicke Überraschung an der Wall Street: Die Investmentbank Morgan Stanley macht fette Geschäfte trotz aller Sorgen um überbordende Staatsschulden in Europa und den USA. Nicht mal dem sonst so erfolgreichen Erzrivalen Goldman Sachs war dies im zweiten Quartal gelungen.

Denn viele Investoren halten sich derzeit aus Angst etwa vor einem Staatsbankrott in Griechenland mit der Anlage ihrer Gelder zurück. Den Banken entgehen dadurch fette Gebühren. Nicht so bei Morgan Stanley: Die Erträge stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar.

Die Investmentbank vermeldete am Donnerstag für das Anleihegeschäft sogar einen Allzeit-Rekord. Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen sowie mit Aktien entwickelte sich so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Auch die Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden sei hervorragend gelaufen, führte Bankchef James Gorman aus.

Kaum ein Börsianer hatte Morgan Stanley dieses starke Geschäft zugetraut. Denn die Bank hatte in den vorangegangenen Quartalen ein ums andere Mal die Erwartungen enttäuscht. Nun aber schnitt das Haus deutlich besser ab als gedacht. Die Aktie schoss im frühen New Yorker Handel um 6 Prozent hoch.

Dabei blickten die Börsianer sogar über die Tatsache hinweg, dass Morgan Stanley einen Verlust von unterm Strich 558 Millionen Dollar einfuhr - allerdings nur, weil der japanische Großaktionär und Partner Mitsubishi UFJ seine Vorzugsaktien gegen reguläre Stammaktien getauscht hatte. Das führte zu einer Belastung von rund 1,7 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte die Bank unterm Strich noch 1,6 Milliarden Dollar verdient.

Morgan Stanley war die letzte der namhaften US-Banken, die ihre Zahlen fürs zweite Quartal vorgelegt hat. Das Fazit fällt durchwachsen aus: Während JPMorgan Chase, die Citigroup und Wells Fargo dank eines gut laufenden Privatkundengeschäfts zig Milliarden verdient haben, litt Goldman Sachs unter den Finanzmarkt-Sorgen. Die Bank of America verbuchte wegen Hypotheken-Altlasten sogar einen Rekordverlust von unterm Strich 9,1 Milliarden Dollar.

Nun beginnt die sogenannte Bilanzsaison in Europa: Am Dienstag (26. Juli) legt die Deutsche Bank ihr Ergebnis vor, am 10. August ist die Commerzbank an der Reihe.