Serre-Chevalier (dpa) - Krachende Niederlage für Contador - Triumphfahrt von Andy Schleck: Die 18. Tour-Etappe auf den Galibier hat die Favoritenrollen neu verteilt. Der Franzose Voeckler rettete sein Gelbes Trikot noch einmal um 15 Sekunden vor Andy Schleck.

Vor den schneebedeckten Alpen-Riesen als Kulisse stieß er die geballte Faust immer wieder in die dünne Luft. Mit einer taktischen Meisterleistung hatte der überglückliche Andy Schleck die «Königsetappe» der 98. Tour de France gewonnen und dem kraftlosen Alberto Contador den wahrscheinlich entscheidenden Schlag versetzt. Der Franzose Thomas Voeckler konnte im höchsten Zielort in der 108-jährigen Geschichte der Rad-Tour auf dem Galibier sein Gelbes Trikot vor Schleck noch einmal um 15 Sekunden retten.

Mit versteinerter Miene kommentierte Contadors Teamchef Bjarne Riis den Ausgang der schwersten Alpenetappe über 200,5 Kilometer. «Es wird jetzt sehr schwer für Alberto, die Tour noch zu gewinnen. Er hatte heute schlechte Beine. Seine Vorstellung war auch für uns eine böse Überraschung», sagte der Däne.

Ehrengast Eddy Merckx glaubt, dass das Zeitfahren am Samstag in Grenoble über den Toursieger 2011 entscheiden wird: «Heute habe ich noch nicht den Sieger von Sonntag gesehen. Grenoble wird vielleicht die Entscheidung zwischen Andy Schleck und Cadel Evans bringen.»

Durch seinen Coup auf dem Galibier machte der 26-jährige Luxemburger aus dem Leopard-Team, der seinen insgesamt dritten Tour-Etappensieg feierte, einen Riesenschritt in Richtung seines ersten Gesamtsieges.

Dabei sollte auf 2645 Meter Höhe eigentlich sein Bruder Frank das große Los ziehen. Die frühe Attacke von Andy Schleck schon am Izoard, rund 60 Kilometer vor dem Ziel, war als Vorbereitung für einen finalen Angriff von Frank Schleck gedacht. Aber überraschender Weise konnte der jüngere der Brüder seinen Parforceritt bis ins Ziel durchziehen. «Eigentlich war es anders gedacht. Aber Hauptsache, der Erfolg bleibt in der Familie», sagte Frank Schleck.

Im Ziel der 18. Etappe hatte ein saft- und kraftloser Contador, auf den nach der Tour der Dopingprozess vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS wartet, auf Andy Schleck 3:50 Minuten Rückstand kassiert. Auch Ex-Weltmeister Evans, als guter Zeitfahrer und mit jetzt 57 Sekunden Rückstand auf den im Kampf gegen die Uhr wesentlich schwächeren Andy Schleck noch mit allerbesten Aussichten im Rennen um den Gesamtsieg, machte auf Contador weitere 1:35 Minuten gut.