Shanghai (dpa) - In ihrem erst zweiten Langstreckenrennen schwamm Isabelle Härle mit Rekord-Weltmeister Thomas Lurz und Jan Wolfgarten bei der WM-Premiere des Team-Wettbewerbs zu Bronze - und wurde nach dem Rennen im ungewohnten Meer von Shanghai von den Spezialisten in den höchsten Tönen gelobt.

«Ihr gehören 70 Prozent der Medaille», sagte Wolfgarten und wurde daraufhin von Härle geherzt. Die starke Frau genoss den «Welpenschutz» der Routiniers. Der 15-malige WM-Edelmetallgewinner Lurz prophezeite der Beckenschwimmerin im Freiwasser gar «eine große Zukunft».

Nach fünf Kilometern im ostchinesischen Meer vor Shanghai gratulierte und lobte sich das Turbo-Trio gegenseitig. Mit der Verstärkung durch Beckenschwimmerin Härle musste sich das Team nach 57:44,2 Minuten nur zwei Mannschaften aus Übersee geschlagen geben. Die USA schlugen im Kampf gegen die Uhr um ganze 1,2 Sekunden vor Australien an und hielten Deutschland klar auf Distanz.

«Die Platzierung war das Beste, das wir rausholen konnten. Ein rundherum perfektes Rennen für uns», sagte Lurz. Der neunmalige Weltmeister hatte am Vortag über zehn Kilometer Silber erschwommen und könnte an diesem Freitag über fünf Kilometer im Einzel seinen siebten WM-Titel in Serie über die Strecke gewinnen. Härle wagt sich ebenfalls über diese Distanz in ungewohntes Gewässer.

Nach verpasster WM-Quali über die 800 und 1500 Meter Freistil Anfang Juni war die gelernte Beckenschwimmerin Härle bei einem Wettkampf über eine Meile in England von Lurz überredet worden, bei den deutschen Meisterschaften in Rostock vor einem Monat über fünf Kilometer zu starten. Die 23-Jährige gewann prompt ihr erstes Langstreckenrennen und war die Wunschkandidatin für das nicht-olympische Team-Event.

Lurz sicherte Härle «Welpenschutz» zu und hatte hinter Wolfgarten in der Mitte die Aufgabe, das Tempo zu drosseln oder zu erhöhen. «Wenn wir zu langsam wurden habe ich Jan auf die Füße geklopft, damit Isabell optimal in meinem Sog war», erklärte Lurz das Zusammenspiel der Formation im Wasser. «Ich bin so glücklich, dass alles so gut geklappt hat», sagte die Freundin von Brustschwimmer Hendrik Feldwehr.

Bei der EM vor einem Jahr in Ungarn hatte sich ein deutsches Trio noch verzockt: Im Plattensee verirrte sich die Mannschaft und belegte sehr zum Ärger von Bundestrainer Stefan Lurz nur den vierten Platz. In China ging die Taktik auf. «Wir haben es diesmal viel besser gemacht als letztes Jahr. War diesmal zumindest geradeaus », sagte Wolfgarten in Anspielung auf die EM-Pleite, als das Team beim Start in die falsche Richtung geschwommen war.