Buenos Aires/Lima (dpa) - Hiram Bingham suchte bewusst die «verlorene Stadt» der Inkas. Am 24. Juli 1911 fand der amerikanische Archäologe Machu Picchu. Die Stätte war den Forschern bis dahin verborgen geblieben, weil sie nicht eine größere Zitadelle auf dem Sattel zwischen zwei Bergen vermuteten, umgeben von drei Seiten vom reißenden Urubamba-Fluss und vom Urwald überwachsen.

Die Bewohner der Umgebung kannten die Ruinen, jedoch nicht ihre historische Bedeutung. Alte Chroniken und jüngere Reiseberichte deuteten auf die Existenz der Stadt hin. Bingham, Geschichtsprofessor an der Yale-Universität, gelang es, die Umgebung des Standorts aufgrund dieser Texte aufzuspüren. Und dort, im Urubamba-Tal, traf er vor 100 Jahren den Peruaner Melchor Arteaga, der ihn über einen wackeligen Steg und über Steilhänge führte. Plötzlich erschienen vor ihnen zwei Indianer, die sie weiter führten zu ihren schmalen Ackerfeldern, auf den von den Inkas angelegten Terrassen. Schließlich, etwas weiter oben noch, stießen sie dann auf die Steinmauern der Inka-Stadt.

Machu Picchu war vom Inka Pachácutec, dem Gründer des Sonnenreichs, um 1450 errichtet worden. Wahrscheinlich war die Stadt sowohl Sommerresidenz des Inkas als auch eine Religionsstätte. Nach der spanischen Conquista (Eroberung) blieb sie lange Zeit vergessen. Bingham fand kaum Gegenstände in der Stadt, die ihren ehemaligen Einwohnern von Wert gewesen sein konnten - keine Objekte aus Gold, sondern lediglich normale Haushaltsgegenstände, was auf einen gemeinsamen Auszug der Bewohner aus der Stadt hinwies.

Für die Forscher war aber jedes Stück wertvoll, um das Leben der Inkas zu studieren. Bingham nahm an die 6000 Objekte nach Yale mit, wo sie im Peabody-Museum untergebracht wurden. Die peruanischen Behörden hatten die Ausfuhr als Leihgabe für eine begrenzte Zeit erlaubt. Erst knapp 100 Jahre später, wenige Monate, nachdem Machu Picchu 2007 als eines der Sieben Neuen Weltwunder benannt wurde, kam es zu einem Abkommen zwischen der US-Universität und der peruanischen Regierung, um die Machu-Picchu-Sammlung wieder nach Peru zu schicken.

Ende März 2011 übergab die Yale-Universität die ersten 366 Stücke der Sammlung an Peru. Sie wurden erst in Lima ausgestellt und dann nach Cuzco gebracht. Der Rest soll bis Ende 2012 in Lima ankommen. Die Peruaner stehen jetzt vor der Herausforderung, ein der Sammlung angemessenes Museum zu bauen, wahrscheinlich in Cuzco, 112 Kilometer von Machu Picchu entfernt.

Nach der Jahrhunderte langen Isolierung rückte mit der «Entdeckung» Machu Picchu plötzlich ins Rampenlicht. Bingham veröffentlichte seinen Bericht über den Fund in den Anden in der Zeitschrift «National Geographic». Die Stadt in mehr als 2400 Metern Höhe wurde ein Symbol der engen Beziehung zur Natur vergangener Zivilisationen.

Der Touristenandrang brachte die Region aber unter Druck. Die Unesco, die die Stätte 1983 zum Kulturerbe der Menschheit erklärt hatte, entsandte 2009 eine Expertengruppe. Sie sollte herausfinden, ob die Besucher nicht mittlerweile für Machu Picchu eine größere Gefahr darstellen als damals die Conquistadores. Die Inka-Stadt musste jedoch nicht in die Liste der unmittelbar gefährdeten Stätten aufgenommen werden. Angemessene Wartungsarbeiten und eine begrenzte Tagesquote von 2500 Besuchern halten das Risiko für die monumentalen Steinbauten in Grenzen. Chaotischer geht es im einzigen Zufahrtsort Aguas Calientes zu. Hotels und Restaurants reihen sich planlos aneinander, mehr oder weniger geschulte Touristenführer bieten ihre Dienste an.