Berlin (dpa) - Joss Stone hat eine Stimme wie ein Orkan und eine Millionensumme auf dem Konto. Das weckt Begehrlichkeiten. Nicht nur kreative, wie bei Mick Jagger, der für seine aktuelle Supergruppe SuperHeavy eine fette weibliche Stimme brauchte und nun mit der 24-Jährigen um die Wette singt.

Auch ganz weltliche Gelüste können sich da Bahn brechen. So waren zwei Männer anscheinend wild entschlossen, Joss Stone zu entführen. Sie blieben jedoch erfolglos, wurden verhaftet und müssen sich vor Gericht verantworten. Stone selbst geht es nach eigenem Bekunden gut, auch wenn sie ernsthaft darüber nachdenkt, sich drei Wachhunde anzuschaffen. Doch erst einmal kann sie sich voll darauf konzentrieren, ihr neues Album «LP1» zu promoten, die an diesem Freitag veröffentlicht wird.

Die neue Platte wurde in Nashville (US-Bundesstaat Tennessee) eingespielt, klingt aber so gar nicht nach Country-Musik. Diese Feststellung zaubert Stone beim dpa-Interview ein freches Grinsen ins Gesicht: «Das war auch nun überhaupt nicht der Plan. Ich wollte unbedingt mit (Eurythmics-Gründer) Dave Stewart arbeiten und der hatte gerade dort sein aktuelles Album aufgenommen und war überaus zufrieden. So haben wir eben gemeinsam vor Ort weitergemacht.»

Wie gehabt schmeißt sich Stone mit ihrer gewaltigen Soulstimme geradezu in die Stücke. Und das tut sie so intensiv, dass sich unmittelbar der Eindruck aufdrängt, da sei kein Twen am Werk, sondern eine mit allen Lebenswassern gewaschene, lebenserfahrene ältere schwarze Frau. «Über diesen Touch in meiner Stimme wundere ich mich sogar selbst, wenn ich die Stücke anschließend abhöre», gesteht die 24-Jährige.

Auch bei «LP1» kann niemand der Frage ausweichen, wie eine junge weiße Frau zu solch einer schwarzen Soulstimme findet? «Soul in der Stimme hat definitiv nichts mit Herkunft oder Hautfarbe zu tun», bekräftigt Stone, «das sehen offensichtlich andere Soulgrößen so. Soul-Altmeister James Brown oder Patti LaBelle haben damals ja auch nicht gezögert, mich zum Duett zu laden. So eine Stimme hast du oder eben nicht.»

In Nashville wurde mit höchster Geschwindigkeit gearbeitet und doch nie mit der heißen Nadel gestrickt. In nur einer Woche war alles im Kasten. Ungewöhnlich. «Wir hatten einfach riesigen Spaß zusammen und waren nach sechs Tagen gemeinsamer Arbeit selber überrascht, dass die Platte fertig war», sagt Stone noch heute mit Verwunderung, «die Band war wunderbar und das Studio einmalig. Häufig sind wir selber dem Charme der ersten Einspielung erlegen. Trotz kleiner Fehler haben wir es so gelassen. Wir sind schließlich keine Maschinen und diese Schnitzer sind einfach so sympathisch und geben den Stücken eine grundehrliche Lebendigkeit.»

Nicht nur die kennzeichnet die neuen Stücke, sondern auch eine schwebende Leichtigkeit und eine große Portion ungekünstelte Emotion. Ganz spurlos ist die hautnahe Erfahrung mit Nashville an Stone aber nicht vorübergegangen: «Da wurden schon Countrygelüste geweckt», gesteht sie. «Naja, ein Duett mit Dolly Parton wäre schon großartig.»