Berlin (dpa) - Die Beschlüsse des EU-Sondergipfels zur Griechenland-Rettung treffen in Wirtschaft, Wissenschaft sowie bei Interessenverbänden auf viel Zustimmung. Die Eskalation der Schuldenkrise und das damit verbundene Konjunkturrisiko sei zwar erst einmal gebannt, lautete der Tenor.

Etliche Ökonomen halten aber die Ansteckungsgefahr in der Griechenland-Krise für andere hoch verschuldete Euroländer noch nicht für gebannt. Heftig wetterte der Steuerzahlerbund gegen die neuen Griechenland-Zusagen.

«Es ist fahrlässig, dass die EU-Regierungschefs den Steuerzahlern weitere Haftungsrisiken für Griechenland im Umfang von 109 Milliarden Euro unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds aufgebürdet haben», sagte Verbandsvizepräsident Reiner Holznagel «Handelsblatt Online».

Die deutsche Exportwirtschaft, die besonders stark von einem stabilen Euro profitiert, reagierte dagegen erleichtert. Außenhandelspräsident Anton Börner sagte in Berlin: «Die Wirtschaft hat damit Grünes Licht auf ihrem weiteren Wachstumspfad.» Auf europäischer Ebene sei eine akzeptable, tragfähige Lösung gefunden worden.

«Die unerwartet umfangreichen Beschlüsse senken das von der europäischen Schuldenkrise ausgehende Konjunkturrisiko», sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank Jörg Krämer.

Wie der Steuerzahlerbund befürchten auch andere, dass sich die Währungsunion in Richtung einer kompletten Transferunion bewegt. «Allein der EU-Beschluss, dass der Rettungsfonds (EFSF) künftig Anleihen kriselnder Staaten aufkaufen darf, besiegelt die Haftungsunion», sagte Holznagel.

Es sei nie die Idee der Währungsunion gewesen, für die Staatsschulden des gesamten Euro-Raums zu haften. Dies sei auch nicht Aufgabe der europäischen - und vor allem nicht der deutschen - Steuerzahler.