L'Alpe d'Huez (dpa) - Trotz eines verzweifelten Aufbäumens von Alberto Contador ist die Tour de France vor dem entscheidenden Zeitfahren zum Duell zwischen Andy Schleck und Cadel Evans geworden.

Der Luxemburger, wie Evans in seiner Karriere bisher zweimal Tour-Zweiter, eroberte in L'Alpe d'Huez das Gelbe Trikot und liegt 57 Sekunden vor seinem australischen Widersacher. Contador hatte auf der letzten Bergetappe zweimal fulminant attackiert, wurde aber weder mit dem Tagessieg noch mit einer besseren Ausgangssituation für den Kampf gegen die Uhr am Samstag belohnt.

Gefeierter Sieger im Ziel der 19. Etappe in der Skistation war der Franzose Pierre Rolland, der Olympiasieger Samuel Sanchez und Contador nach 109,5 Kilometern auf die Plätze verwies. Es war der erste Sieg der Gastgeber bei der diesjährigen Tour.

«Meine Motivation ist super, ich bin in Top-Form und ich hoffe, dass ich das Gelbe Trikot auch in Paris tragen kann», sagte Andy Schleck, der als Zeitfahrer noch nie überzeugen konnte. «Jeder hat mir erzählt, dass mir der Kurs vom Zeitfahren liegen würde.» Top- Favorit Evans meinte nach der 13,8 Kilometer langen Schlusssteigung völlig erschöpft: «Ich weiß nicht, ob ich heute die Tour gewonnen habe. Ich werde in Grenoble versuchen, so schnell wie möglich zu fahren. Ich hoffe, es reicht.»

Contador, der den Traum vom vierten Tour-Sieg und dem Double aus Giro und Tour wohl nicht verwirklichen wird, trennen 3:55 Minuten von Andy Schleck. «Das war ein guter Tag für uns», sagte Teamchef Bjarne Riis. «Das Team ist aufgestanden und Alberto ist aufgestanden. Wir hätten gerne die Etappe gewonnen - wir haben alles versucht.»

«Ich bin mit dem heutigen Tag zufrieden, auch wenn es am Schluss nicht mit dem Etappensieg geklappt hat», meinte Contador. «Ich habe gekämpft. Es ist sehr schwer, in einem Jahr den Giro d'Italia und die Tour zu gewinnen.» In Grenoble 2:58 Minuten auf den starken Zeitfahrer Evans über 42,5 Kilometer aufzuholen, erscheint unmöglich.

Den prestigeträchtigen Tagessieg in L'Alpe d'Huez zwei Tage vor dem Tour-Ende sicherte sich Rolland. Der 24-Jährige hatte mit einer enormen Energie-Leistung seinem Kapitän Thomas Voeckler in den vergangenen Tagen immer wieder Geleitschutz gegeben. Auf der Etappe über drei Anstiege gingen bei seinem Chef aber die Lichter aus - nach zwölf Tagen musste Voeckler sein Gelbes Trikot ausziehen.