Oslo (dpa) - Tränen bei der Schwimm-WM, Trauer bei der Tour de France und beim deutschen Fußball-Supercup: Nach dem unfassbaren Massaker in Norwegen lag auch auf dem Sport in aller Welt ein Schatten.

Der Fußball-Verband des skandinavischen Landes sagte alle Spiele der Spitzenligen ab, auch topbesetzte Biathlon- und Langlaufwettbewerbe fielen angesichts der dramatischen Ereignisse aus. «Im Vergleich dazu, was in der 'richtigen Welt' passiert, fühlt sich so ein Radrennen wie nichts an», bekannte der norwegische Profi Thor Hushovd bei der Frankreich-Rundfahrt. Die Radprofis erinnerten mit einer Gedenkminute vor der letzten Etappe an die Opfer des Anschlags.

Beim Supercup in Gelsenkirchen zwischen Schalke und Dortmund wurde mit einer Schweigeminute der zahlreichen Toten gedacht. «Dass so etwas passiert, ist an Tragik kaum zu überbieten», sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp. «Im Namen der weltweiten Fußballfamilie spreche ich den Menschen in Norwegen und ihrer Fußballfamilie in diesen grauenvollen Stunden mein aufrichtiges Beileid und tiefstes Mitgefühl aus», schrieb FIFA-Chef Joseph Blatter in einem Brief an den Präsidenten des norwegischen Fußballverbandes.

Tief erschüttert angesichts der dramatischen Ereignisse in seiner Heimat war auch Trainer Stale Solbakken vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln. «Es gibt Menschen, die in diesem Moment um ihr Leben kämpfen», erinnerte der Coach laut «Express» nach einem Testspiel gegen Arsenal London. «Ich hoffe, dass alle verstehen, dass es jetzt wichtigeres gibt als über Fußball zu reden.»

Bei der Schwimm-WM in Shanghai brach der norwegische Olympia- Zweite Alexander Dale Oen nach seinem Vorlaufsieg über 100 Meter Brust in der Interviewzone in Tränen aus. Unmittelbar nach der Zieleinkunft hatte der 26-Jährige mit dem Finger an seine mit der Landesflagge versehenen Badekappe getippt. «Alle Norweger müssen in dieser Zeit zusammenhalten», erklärte der Europameister. Der Attentäter Anders Behring Breivik hatte am 22. Juli mehr als 90 Menschen getötet.

Der norwegische Skirennfahrer Aksel Lund Svindal, gerade in Schweden im Urlaub, meldete sich im Internet zu den Anschlägen zu Wort: «500 Kinder rennen um ihr Leben und versuchen, sich auf einer kleinen Insel vor einem Killer zu verstecken. Das ist so falsch. Gebt ihnen Kraft und Unterstützung», twitterte er.

«Die Sache ist sehr traurig», erklärte Radprofi Hushovd am Rande der Tour und drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. «Ich denke an all diejenigen, die betroffen sind. Wenn man entfernt von der Heimat ist und ein Radrennen bestreitet, kommt einem das sehr sinnlos vor.» Für die Gedenkminute reihten sich Hushovd und dessen Landsmann Edvald Boasson Hagen an der Spitze des Feldes neben den vier Trägern der Trikots ein.