Zürich (dpa) - Das Urteil ist gesprochen, doch dem skandalerprobten Fußball-Weltverband droht nach der lebenslangen Sperre für Mohamed bin Hammam ein juristisches Nachspiel ungeahnten Ausmaßes.

Nach wochenlangen Untersuchungen und einer zweitägigen Sitzung wurde der ehemalige Präsidentschaftskandidat und frühere Wahlkampfhelfer von FIFA-Chef Joseph Blatter von der FIFA-internen Ethikkommission der Korruption schuldig gesprochen.

«Mohamed bin Hammam wird hiermit auf Lebenszeit untersagt, an Aktivitäten auf nationaler oder internationaler Ebene teilzunehmen, die den Fußball betreffen», erklärte der Namibier Petrus Damaseb als stellvertretender Vorsitzender des umstrittenen Gremiums im FIFA-Hauptquartier in Zürich. In einer halbstündigen Pressekonferenz versuchte Damaseb das - nach Indiskretionen bereits zuvor durchgesickerte und zu erwartende - Urteil als Befreiungsschlag im Korruptionsskandal der FIFA anzupreisen.

Der 62 Jahre alte bin Hammam hatte sich die Reise nach Zürich erspart und wurde von zwei Anwälten vertreten. Bereits zuvor hatte er eine Vorverurteilung durch die FIFA angeprangert. Der Katarer, seit 1996 Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees und seit 2002 Chef der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC), sieht sich als Justizopfer und kündigte durch seine Anwälte Einspruch gegen das Urteil an.

«Er beteuert seine Unschuld und wird mit allen juristischen Möglichkeiten durch alle Instanzen, die ihm offenstehen, weiterkämpfen und dagegen vorgehen», erklärte einer der Anwälte bin Hammams. Eugene Gulland ergänzte weiter, dass das Urteil gegen seinen katarischen Klienten «auf Lügen von Senior-FIFA-Offiziellen» basiere.

Die Ethikkommission sah es als erwiesen an, dass der langjährige Blatter-Freund Stimmen für seine letztlich gescheiterte Wahl zum FIFA-Chef kaufen wollte. Bin Hammam habe Anfang Mai versucht, Funktionäre der karibischen Fußball-Union mit Geldgeschenken in Höhe von insgesamt einer Million Dollar zu bestechen. Der Ex-FIFA-Vize Jack Warner, vermeintlicher Komplize von bin Hammam beim Stimmenkauf, war bereits vorher von allen Ämtern zurückgetreten und hatte sich so einer Strafe durch die FIFA entzogen. Er weist alle Vorwürfe zurück. Die CFU-Mitglieder Debbie Minguell und Jason Sylvester, wie bin Hammam wegen Bestechungsvorwürfen suspendiert, kamen wesentlich glimpflicher davon - die Ethikkommission sperrte beide für ein Jahr.

Nach 15 Jahren in der FIFA-Exekutive verlor bin Hammam durch das Urteil auch sein Amt als Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) und sämtliche Privilegien. Die harte Strafe verbietet es ihm sogar, sich auf unterster Amateurebene für einen Verein zu engagieren. Nun erwägt er einen Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS und notfalls sogar, das Schweizer Bundesgericht anzurufen. In seiner Heimat erklärte AFC-Interimspräsident Zhang Jilong, dass man die «Entscheidung der FIFA respektiere, aber auch das Recht des früheren AFC-Präsidenten Mohamed bin Hammam, Einspruch einzulegen, anerkenne».