Gelsenkirchen (dpa) - Aus dem langen Schatten seines Vorgängers direkt ins Rampenlicht: Gleich im ersten Spiel auf großer Bühne nach der Rückkehr zum FC Schalke brillierte Ralf Fährmann beim Sieg im Supercup in der Rolle des Hauptdarstellers.

Mit einer Klasseleistung gegen Borussia Dortmund zerstreute der Torhüter die Zweifel an seiner Eignung als Nachfolger von Manuel Neuer. Glanzparaden in den torlosen 90 Minuten und zwei gehaltene Schüsse beim 4:3 im Elfmeterschießen ebneten den Weg zum ersten Schalker Triumph in dem Wettbewerb. «Ich fühle mich nicht als Held. Aber das war ein Traumeinstand und gibt mir ordentlich Rückenwind», kommentierte der überglückliche Matchwinner.

Auch nach dem Schlusspfiff wollte sich Fährmann nicht mit einer Nebenrolle begnügen. Selbstbewusst übernahm er vor der Fan-Tribüne die Regie und dirigierte die Jubelgesänge der Fans. Die Last, dem großen Druck als Ersatz für den zum FC Bayern gewechselten Nationaltorhüter Neuer nicht gewachsen zu sein, fiel urplötzlich von ihm ab. Ähnlich selbstbewusst wie auf dem Rasen präsentierte sich der Neuzugang beim Medienmarathon: «Das Erbe von Manuel anzutreten, ist schwierig. Meine Aufgabe ist es, die Lücke in den kommenden Jahren zu schließen.»

Der famose Auftritt im prestigeträchtigen Revierderby um den Supercup zeugt von einem intakten Nervenkostüm. Schließlich galt das Werben der Clubführung und des Trainers um eine Verpflichtung von Kevin Trapp (Kaiserslautern) oder Ron-Robert Zieler (Hannover) nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahme für den aus Frankfurt zurückgekehrten Fährmann. Sportvorstand Horst Heldt verzichtete zwar auf Lobeshymnen, erklärte die Diskussion um die Torhüterposition aber für vorerst beendet: «Wir haben schon vor dem Spiel gesagt, dass er die Nummer 1 ist.»

Die Freude über den Gewinn des ersten Titels der 49. Bundesliga-Saison verleitete beim DFB-Pokalsieger jedoch niemandem zur Euphorie. Denn ohne die Rettungstaten von Fährmann hätte der FC Schalke die überlegene Borussia nicht bezwungen.

Wie schon beim Gewinn des Liga total! Cups von Mainz wenige Tage zuvor präsentierte sich der BVB auch in der ausverkauften Veltins-Arena in bemerkenswerter Frühform, offenbarte aber wieder einmal Schwächen im Abschluss. Beste Möglichkeiten von Sebastian Kehl, Robert Lewandowski und Mario Götze blieben ungenutzt. «So viele 100-prozentige Chancen wie wir heute vergeben haben, das habe ich selten erlebt», klagte Neuzugang Ilkay Gündogan.

Das Unvermögen im Elfmeterschießen verwunderte beim BVB niemanden. Schließlich war der Meister in der vorigen Saison stets vom Punkt gescheitert. Dass ausgerechnet der Ur-Dortmunder und nicht gerade als Schalke-Sympathisant bekannte Kevin Großkreutz neben Ivan Perisic beim Showdown an Fährmann scheiterte, war ganz nach dem Geschmack der königsblauen Anhänger. «Schön, dass mich so viele Menschen nicht mögen», kommentierte der Fehlschütze die lauten Pfiffe der gegnerischen Fans vor seinem Elfmeter grinsend.