Shanghai (dpa) - Den Blumenstrauß von der Siegerehrung warf Sascha Klein seinen kreischenden Fans zu, wenige Meter von seinem jubelnden jugendlichen Anhang entfernt schaute er danach «superstolz» auf die bronzene Plakette in seinen Händen.

«Diese Medaille ist sehr geil», sagte der Wasserspringer nach Platz drei vom WM-Turm in Shanghai. Eine harte Woche mit zweimal Edelmetall liegt hinter dem Europameister, da war ein Wunsch des neuen WM-Dritten überaus verständlich. «Ich kann es eigentlich kaum noch erwarten, nach Hause zu kommen, meine Freundin in den Arm zu nehmen und einfach Zeit mit ihr zu genießen.»

Gold ging wie in den vorangegangenen acht Entscheidungen auch am Wochenende zweimal an China. Nach dem Sieg von Wu Minxia (China) vom Drei-Meter-Brett der Frauen, als Uschi Freitag Elfte wurde, dominierte Qiu Bo bei den Männern aus zehn Metern Höhe. Er lag mit 585,45 Punkten klar vor David Boudia (USA/544,25). Klein hatte 534,50 Zähler, nur knapp verpasste Viktor Minibajew (Russland/527,50) die Medaillenränge. Da atmete Leistungssportdirektor Lutz Buschkow auf dem schleunigst zurückgelegten Weg im Shuttle-Wägelchen vom Sprung-Stadion zur Bronzemedaille von Paul Biedermann erleichtert auf. Denn die vierte Medaille der deutschen Springer hätte auch knapp verpasst werden können.

«Es macht mich riesig stolz, dass wir uns nach der medaillenlosen WM 2009 deutlich mit Medaillen zurückgemeldet haben. Wir sind unter den Top-3-Nationen der Welt im Wasserspringen, das ist ein sehr gutes Resümee», sagte Buschkow, auch Bundestrainer der Springer. Die mehr als 4000 Zuschauer auf der Tribüne jubelten ihrem siegreichen Helden zu, Buschkow machte einen leichten Diener bei der Gratulation an Qiu Bo. «Das war eine wunderschöne Stunde für das Turmspringen der Männer als Königsdisziplin im Wasserspringen», lobte Buschkow den Wettkampf. In Shanghai konnte er vier weitere Olympia-Plätze für sein Team notieren. Und eben vier Medaillen.

Einmal Silber durch Patrick Hausding/Sascha Klein vom Turm, dazu Bronze durch Christin Steuer/Nora Subschinski vom Turm, Pavlo Rozenberg vom Ein-Meter-Brett und jetzt eben wieder Klein. «Das war ganz schön nervenaufreibend, vor allem weil ich so ein Typ bin, der immer auf die Anzeigetafel guckt», sagte der 25-Jährige, der beim zweieinhalbfachen Salto rückwärts mit zweieinhalb Schrauben zum Abschluss die Nerven behielt. Natürlich hatte er wie jeder Sportler auch mal den einen oder anderen Gedanken an Gold verschwendet, «aber Bronze ist für mich genauso viel wert grade». Qui Bo sprang mit 16 Zehner-Wertungen in den ersten drei von sechs Durchgängen so klar an die Spitze, dass er den Sieg nur noch mutwillig hätte vergeben können.

Alle Goldmedaillen für ein Land in den WM-Sprungentscheidungen gab es das letzte Mal 1982 - damals holte die USA in noch vier Disziplinen die Siege. «Wer alle Disziplinen bei einer WM gewinnt, weiß welches Kaderpotenzial er hat. In dem Land, in dem Akrobatik, die Shaolin-Mönche ihre Heimat haben, da passt Wasserspringen als ästhetische Sportart einfach mit rein», sagte Buschkow.