Nürburgring (dpa) - Sebastian Vettel schlägt Alarm, die Verfolger um den «King vom Ring» Lewis Hamilton hauen auf den Putz: Nach seiner Heimniederlage macht sich der Formel-1-Weltmeister auf den nächsten Angriff auf das Red-Bull-Imperium gefasst.

«Es sieht so aus, dass McLaren und Ferrari immer schneller und schneller werden. Wir müssen härter an unserem Auto arbeiten, um wieder auf dem Podium und vielleicht auch ganz oben zu stehen», betonte Vettel. Bereits am 31. Juli kann er in Ungarn die alten Kräfteverhältnisse auf der Strecke wieder herstellen.

Allerdings machen die Jäger massiv Front gegen den Spitzenreiter aus Heppenheim: «Es gibt nichts zu verlieren, wenn wir die Red Bulls im Moment attackieren», meinte Ferrari-Zugpferd Fernando Alonso nach seinem zweiten Platz auf dem Nürburgring. «Natürlich, wir haben jetzt gewonnen, und wenn man sich das Rennergebnis ansieht, dann ist das ein großer Bonus und positiv für uns», meinte Nürburgring-Sieger Hamilton mit Blick auf das Kräftemessen in Budapest, dem letzten Rennen vor der Sommerpause.

Vor dem Doppelpack auf dem Nürburgring und dem Hungaroring hatte der Titelverteidiger von einer wichtigen Phase in der WM gesprochen. «Vettel gerät ins Schleudern», musste das Boulevardblatt «Österreich» nun feststellen. Entsprechend euphorisch wurde in Großbritannien der Sieg des McLaren-Piloten im Wohnzimmer des Weltmeisters bejubelt. «Lewis Hamilton erteilt Sebastian Vettel eine Fahrstunde und findet im Hinterhof seines Rivalen Perfektion», urteilte «The Sun»: «Der Brite zeigt, dass er immer noch der Meister des Überholens ist, während Vettel vor den Augen seiner Fans einen Alptraum erlebt.»

Wohl dem, für den Rang vier tatsächlich ein Alptraum ist. Auch nach der schlechtesten Saisonplatzierung hat der sechsmalige Sieger und dreifache Zweite in diesem Jahr noch einen beträchtlichen Vorsprung im Klassement. Sein Teamkollege Mark Webber (139) weist 77 Punkte weniger auf. Als neuer Gesamtdritter fehlen Hamilton (134) vor dem 11. von 19. WM-Läufen 82 Zähler auf Vettel (216). Alonso (130) ist mit 86 Punkten Rückstand Vierter. Aus dem Verfolger-Quartett verabschieden musste sich Ex-Weltmeister Jenson Button (109) nach seinem zweiten Ausfall im McLaren nacheinander.

Dennoch wird es enger für Vettel und Red Bull. Teamchef Christian Horner wertete den Ausgang des Großen Preises von Deutschland als Weckruf. «Er erinnert uns daran, dass wir uns nicht zurücklehnen dürfen - kein Teammitglied lehnt sich aber auch derzeit zurück», sagte er. «Wir sind hier geschlagen worden und in dem Rennen davor - Du musst kein Einstein sein, um zu wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen», betonte Webber.

«Man sieht es an Rennen wie auf dem Nürburgring, wie schnell es gehen kann», räumte Vettel ein. Nach einem kurzen Abstecher in die Schweizer Wahlheimat wird er Richtung Ungarn aufbrechen. Und nicht nur Vettel hofft nach dem Kälteschock in der Eifel auf ein paar Grad mehr. «Beim nächsten Rennen wird es wahrscheinlich sehr heiß», meinte Hamilton, berühmt und berüchtigt für seinen hitzigen Fahrstil. Laut Wetterprognosen sind für Budapest allerdings auch nur zwischen 22 und 25 Grad fürs Wochenende vorhergesagt.