Buenos Aires (dpa) - Die Fußballmacht in Südamerika heißt nicht Brasilien oder Argentinien, sondern Uruguay. Angeführt von WM-Star Diego Forlán bezwang die uruguayische Nationalelf im Copa-América-Finale Paraguay verdient mit 3:0 (2:0).

Mit dem 15. Titel setzte sich «La Celeste» die Fußball-Krone auf - sie ist nun alleiniger Rekordmeister vor Argentinien. «König von Amerika» - so jubelten heimische Medien das Team hoch. Die Tore schossen am Sonntag Liverpool-Stürmer Luis Suárez (12. Minute) und Forlán von Atlético Madrid (42./90.). Der beste WM-Spieler Forlán und der zum besten Copa-Akteur gekürte Suárez wurden von TV-Kommentatoren als «Dúo espectacular» gewürdigt. «Die Freude ist enorm, für die Leute, für alle, ich bin glücklich», sagte Forlán, der aber auch versicherte: «Ich wäre auch ohne (eigene) Treffer glücklich gewesen. Das 1:0 war in Ordnung. Egal, es ist gut zu treffen.»

Der Top-Stürmer hatte seit dem «kleinen WM-Finale» in Südafrika gegen Deutschland vor mehr als einem Jahr nicht mehr für die Auswahl getroffen. Für den 32-Jährigen ist der Copa-Titel fast Familienpflicht: «Mein Großvater gewann ihn, mein Vater gewann ihn und jetzt habe ich ihn gewonnen. Drei Generationen bei diesem Turnier, das dürfte es nicht jeden Tag geben», sagte er stolz. Sein Offensivpartner Suárez betonte den Teamgeist: «Die Mannschaft ist vereint. Sie hat gezeigt, dass das, was wir bei der WM geschafft haben, kein Glücksfall war.»

Mannschaftskollege Suárez hatte nach dem Spiel eine äußerst eigenwillige Erklärung für den Sieg parat: «Wie man begründen kann, dass ein Land mit drei Millionen Einwohnern den Titel gewinnen kann? Wir haben nicht zwei Eier, sondern drei», sagte der 24-Jährige.

Die paraguayische «Albirroja» mit Ex-Bundesligaprofi Nelson Valdez hatte in dem Finale vor allem in der zweiten Halbzeit zwar auch ihre Torchancen, konnte den zweifachen Weltmeister aber nicht bremsen. Paraguays Trainer, der Argentinier Gerardo Martino, brachte den Dortmunder Lucas Barrios erst in der 76. Minute ins Spiel. Der Joker stach nicht, der 26-Jährige musste sogar wenige Minute nach seiner Einwechslung das Feld mit einer Muskelblessur wieder verlassen. Nach erster Einschätzung von Coach Martino hat sich der Angreifer nichts Schwerwiegendes zugezogen, kann aber vorerst nicht spielen.

Der Vize-Champion spielte deshalb zum Schluss nur noch mit zehn Mann, weil das Team schon dreimal gewechselt hatte. Martino räumte ein, dass Uruguay mit «mehr Intensität» auftrat. Seine Spieler waren nach dem Spiel enttäuscht. «Es ist als ob man einen Kuchen kauft und dann keine Kirsche darin hat», sagte Verteidiger Paulo Da Silva. Trotzdem gingen sie erhobenen Hauptes vom Platz - schließlich hatten sie im Viertelfinale Topfavorit Brasilien aus dem Turnier geworfen. «Es gibt keine kleinen Mannschaften mehr in Südamerika», sagte Valdez. «Allein mit dem Namen gewinnt man nichts mehr.»

Uruguays Trainer Óscar Washington Tabárez feierte zurückhaltend. «Wir haben einfach eine Copa América gewonnen, die Nummer 15, und ich dachte, wir widmen den Titel allen Spielern und Trainern, die die anderen 14 Mal gewonnen haben.» Die Internet-Ausgabe von «El Observador» schrieb dagegen überschwänglich, Uruguay habe mit dem ersten Copa-Titel seit 1995 erneut Geschichte geschrieben: «Der König von Amerika ist zurück.»