Nürnberg (dpa) - Die einsetzende Sommerflaute hat nach Einschätzung von Experten die Zahl der Arbeitslosen im Juli wieder leicht steigen lassen. Die saisonale Sonderentwicklung dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik weiter in guter Verfassung sei.

Das betonten Volkswirte mehrerer deutscher Großbanken am Montag in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die Griechenland- und Euro-Krise wirke sich dort bislang kaum aus. Die deutsche Konjunktur hänge vielmehr vom Zustand der Volkswirtschaften in China und den USA ab.

Nach Berechnungen der Experten waren im Juli rund 2,94 Millionen Menschen arbeitslos - etwa 45 000 mehr als im Juni. Der Juli-Anstieg würde sich damit im Schnitt der vergangenen drei Jahre bewegen. Im Juli 2010 hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) noch rund 250 000 Erwerbslose mehr registriert. Die offiziellen Juli-Zahlen will sie an diesem Donnerstag (28. Juli) in Nürnberg bekanntgeben.

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli sei nichts Ungewöhnliches, betonte Ralph Solveen von der Commerzbank. «Viele Jugendliche beenden im Frühsommer ihre Ausbildung. Manche werden nicht übernommen und melden sich erst einmal arbeitslos.» Zudem zögerten Unternehmen vor den Werksferien mit der Einstellung neuer Mitarbeiter; viele warteten damit erst einmal bis September ab.

Ungeachtet dessen rechnen die Volkswirte auch in den kommenden Monaten mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Nach Prognosen von Allianz-Volkswirt Rolf Schneider könnten sie nach einem saisonbedingten Anstieg während der Sommermonate im Herbst bis auf 2,7 Millionen sinken.

Daran würden auch die Griechenland-Turbulenzen nichts ändern. «Ich glaube nicht, dass sich die deutsche Konjunktur deswegen so stark verlangsamt», sagte Schneider. Folglich sei mindestens bis zum Jahresende mit einem robusten Arbeitsmarkt zu rechnen. So rasant wie im Vorjahr werde die Arbeitslosigkeit aber nicht mehr zurückgehen.

Optimistisch ist auch DZ-Bank-Volkswirtin Christine Schäfer. «Ich denke, dass die aktuelle Stimmung in den Unternehmen noch sehr gut ist. Ich gehe davon aus, dass die Unternehmen daher auch weiter neue Mitarbeiter einstellen», sagte sie der dpa. Im Hinblick auf das zweite Halbjahr hängt aus Sicht von Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen vieles davon ab, wie sich der deutsche Export entwickelt. «Daher ist es jetzt wichtig, zu wissen: Wie läuft es künftig in China und in den USA?»