Berlin (dpa) - Der ehemalige FIFA-Präsidentschaftskandidat bin Hammam will sich mit seiner lebenslangen Sperre nicht abfinden. Bayern-Vorstandschef Rummenigge sieht den Weltfußballverband weiter als undemokratisch und korrupt - und fordert von DFB-Präsident Zwanziger eine Kehrtwende.

Der verbannte Mohamed bin Hammam fordert Beweise, Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge warnt DFB-Präsident Theo Zwanziger. Die Regierung des Weltfußballs FIFA um den umstrittenen Joseph Blatter bleibt auch nach dem Urteil ihrer Ethikkommission gegen den nun lebenslänglich gesperrten Ex-Spitzenfunktionär bin Hammam im Feuer der Kritik. «Die FIFA ist ein Korruptionsstadel - dafür gibt es genug Beweise -, und das wird auch Dr. Zwanziger nicht ändern», sagte Rummenigge im Fachblatt «kicker». Der Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters FC Bayern ergänzte sogar, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes müsse «aufpassen».

«Die Politik, die er gegenüber dem FIFA-Präsidenten Sepp Blatter verfolgt, finde ich nicht sehr klug», erklärte Rummenigge in Richtung Zwanziger, der Franz Beckenbauer als Mitglied des Exekutivkomitees des Weltverbandes abgelöst hatte. «Blatter stets zu verteidigen, obwohl die ganze Welt weiß, wie es wirklich ist», konkretisierte der Bayern-Chef. Für Rummenigge ist Blatter nach dessen Wiederwahl nur noch ein «König ohne Reich». Und man könne schon jetzt davon ausgehen, dass «irgendwann» der jetzige UEFA-Präsident Michel Platini als Blatter-Nachfolger komme.

Indes hat der vom Fußball-Weltverband lebenslang gesperrte Mohamed bin Hammam die FIFA zur Veröffentlichung der Beweise gegen ihn aufgefordert. In einem offenen Brief bekräftigte der ehemalige FIFA-Präsidentschaftskandidat am Montag erneut seinen Willen zur Berufung gegen das Urteil der Ethikkommission. «Ich glaube, es gab keinen einzigen Beweis, den die FIFA vorlegen konnte, um zu zeigen, dass ich Delegierten für ihre Stimmen Geld gegeben hatte», schrieb der Katarer auf seiner Internetseite.

Die FIFA hingegen sieht es als erwiesen an, dass bin Hammam in seinem Wahlkampf gegen Blatter Stimmen kaufen wollte und schloss ihn auf Lebenszeit von allen Fußball-Aktivitäten aus. Bin Hammam forderte die FIFA auf, die Protokolle der Verhandlung gegen ihn den Medien zugänglich zu machen: «Ich habe nichts zu verstecken und ich hoffe, die FIFA wird die Vertraulichkeit nicht als Ausrede nutzen.»

«Ich habe das nie getan und deshalb werde ich alles unternehmen, was nötig ist, um meinen Ruf wiederherzustellen», schrieb der frühere Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation. Nun erwägt der 62-Jährige einen Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS und das Schweizer Bundesgericht.

Zum wiederholten Mal kündigte Rummenigge Widerstand der Vereine gegen die Praktiken der internationalen Verbände an: «Das Verständnis der FIFA und UEFA ist, dass die Clubs die Klappe halten und die Entscheidungen exklusiv sie fällen.» Deshalb sei es seine größte Forderung an Zwanziger, sich das Thema Demokratisierung vorzunehmen. «Falls sich bei diesen Verbänden kein demokratischer Prozess einstellt, werden sich die Clubs verselbstständigen», sagte Rummenigge. Dann könnte es sogar zu einer «Revolution» in der Clubszene kommen: «Der Fußball wurde von Leuten wie Blatter und Konsorten zu lange missbraucht.»