Berlin/München (dpa) - Als 1951 sechs Lehrer in München den privaten Verein «Goethe-Institut» gründeten, planten sie zunächst nur Deutschkurse für ausländische Kollegen.

Längst ist aus dem Verein eine international agierende Kultureinrichtung geworden - mit heute 150 Instituten in aller Welt, fast 3000 Mitarbeitern und Hunderttausenden von Veranstaltungen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nennt das Institut ein «Herzstück der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik». Am Dienstag (5. Juli) feiert «Das Goethe» in Berlin seinen 60. Geburtstag.

«Das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte», sagt Präsident Klaus-Dieter Lehmann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Das Institut hat das Deutschlandbild im Ausland entscheidend mitgeprägt und immer wieder den internationalen Dialog angestoßen.» Mehr als 200 000 Menschen nahmen allein im vergangenen Jahr an den Sprachkursen im In- und Ausland teil. Weltweit wird das Haus als Partner für den Kulturaustausch geschätzt.

Dabei war der Start nicht leicht. Hervorgegangen aus der 1945 von den Amerikanern aufgelösten Deutschen Akademie, musste das Institut nach Erkenntnissen der Historikers Eckard Michels («Von der Deutschen Akademie zum Goethe-Institut», 2005) anfangs lange um eine klare Linie ringen. Auch der Umgang mit der eigenen Vergangenheit während der Nazi-Zeit wird später als zu unkritisch beschrieben.

1953 beginnen die ersten Sprachkurse in Bayern in Bad Reichenhall, es folgen Häuser in Murnau und Kochel. Die Idee: An kleinen, idyllischen Orten sollte sich das Nachkriegsdeutschland von seiner besten Seite zeigen. Auch im Ausland hatte die Kulturarbeit in den Anfangsjahren oft eher folkloristischen Charakter. So wird 1962 ein bayerisches Trachtenballett auf Asien- und Nahosttournee geschickt.

Erst während der Umbruchzeiten in den 60er und 70er Jahren schärft das Goethe sein gesellschaftspolitisches Profil. 1964 ist es Golo Mann, der auf Einladung des Instituts in Rom früh über die Oder-Neiße-Linie als endgültige Grenze zu Polen spricht. «Man merkte plötzlich: Die machen etwas, was eine Position erfordert, und keine Häppchen-Kultur», sagt Lehmann im Rückblick.

Gelegentlich eckte das Haus allerdings auch an. So sorgte 1974 eine Ausstellung in London für Ärger, als der Grafiker und heutige Akademiepräsident Klaus Staeck den langjährigen CSU-Chef Franz Josef Strauß als messerwetzenden «Kalten Krieger» zeigte. Dass 2008 der Skandalrapper Massiv bei einem vom örtlichen Goethe-Institut unterstützten Konzert im Palästinensergebiet auftrat, stieß auch in der Zentrale auf Kritik.