Frankfurt/Main (dpa) - In der Führungskrise bei der Deutschen Bank wächst der Druck auf Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Immer lauter wird die Forderung, Konzernchef Josef Ackermann möge Börsig beerben und als oberster Kontrolleur der größten deutschen Bank selbst nach seinem Nachfolger suchen.

«Ackermann wird von vielen Seiten gebeten, seine Expertise der Bank länger als 2013 zur Verfügung zu stellen. Da nimmt der Druck schon zu», hieß es am Montag am Finanzplatz Frankfurt. Es sei aber noch keine Entscheidung in dieser Richtung gefallen. Der aktuelle Vertrag des 63-jährigen Schweizers läuft bis zur Hauptversammlung 2013.

Bisher hatte Ackermann einen Wechsel in den Aufsichtsrat des Dax- Konzerns stets ausgeschlossen. Ein solcher Wechsel widerspräche auch den Richtlinien für gute Unternehmensführung («Corporate Governance Kodex»). Das «Handelsblatt» (Montag) zitiert jedoch einen «engen Vertrauten Ackermanns» mit den Worten: «Ackermann ist bereit, sich in die Pflicht nehmen zu lassen.»

Nachdem Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber überraschend bei der Schweizer Großbank UBS anheuert, ist einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Ackermann-Nachfolge aus dem Rennen. Weber sagte dem «Spiegel», außer von der UBS habe er «nie andere formale Vertragsverhandlungen oder Offerten» bekommen.

Dem Vernehmen nach konzentriert sich nun alles auf Ackermanns Vorstandskollegen: «Externe Kandidaten gibt es derzeit nicht, auch eine Doppelspitze ist im Gespräch.» Als Favorit gilt - wieder einmal - Anshu Jain, der als oberster Investmentbanker die Milliarden für den Konzern einfährt. Viele halten den indisch-stämmigen Banker als Kopf der - auch bei der Politik sehr gefragten - Deutschen Bank aber nicht für vermittelbar.

Nach Informationen der «Financial Times Deutschland» will Börsig die Ackermann-Nachfolge bis September klären. Diesen Zeitraum habe er intern benannt. Es sei zwar nicht geplant, dass dann der designierte Nachfolger auch schon den Dienst antritt. Es solle allerdings das Regime stehen und auch öffentlich bekanntgemacht werden. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Berichten nicht äußern. «Das sind Spekulationen, Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht», sagte ein Sprecher.

Deutsche-Bank-Vorstand