Durban (dpa) - Olympia-Renaissance in München, Neuland in Pyeongchang oder dramatische Bergkulisse in Annecy: Das IOC muss sich bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 für die Erweiterung der olympischen Welt oder das Festhalten an Bewährtem entscheiden.

Die Isar-Metropole geht mit den zweitbesten Vornoten hinter dem südkoreanischen Favoriten in den Schlussspurt des 44 Monate langen Bewerbungsmarathons. Annecy ist staunender Außenseiter. IOC-Präsident Jacques Rogge wird am Mittwoch gegen 17.25 Uhr im gigantischen «International Convention Center» in Durban den glücklichen Gewinner ausrufen.

«Wir sind angetreten, um zu siegen», verkündete Katarina Witt. Doch selbst Münchens wettkampfgestählte Chefrepräsentantin wird jeden Tag aufgeregter. Die Unberechenbarkeit der IOC-Mitglieder zerrt an den Nerven der zweifachen Eiskunstlauf-Olympiasiegerin. Von Acapulco bis Togo ist sie ihnen nachgereist, von Belgrad bis Neukaledonien. Und nun bleiben lediglich ein paar Stunden, die letzten Unentschlossenen noch zu überzeugen. Bundespräsident Christian Wulff trifft am Dienstag in Durban ein. Zwei präsidiale Tage müssen reichen.

«Wir kommen uns wirklich vor wie vor einem olympischen Finale. Training und Testwettkämpfe haben wir hinter uns, aber jetzt wollen wir endlich raus und wollen auf den Platz», betonte der deutsche Ober-Olympier Thomas Bach, als IOC-Vize treibende Kraft der Münchner Bemühungen innerhalb der Ringe-Organisation. «Wir wollen raus und zeigen, was wir können, und hoffen dann, dass es reicht.» Nach den letzten deutschen Bewerbungspleiten mit Berchtesgaden (Winter 1992), Berlin (Sommer 2000) und Leipzig (Sommer 2012) hat sich München 2018 als klarer Gegenentwurf zu Pyeongchang positioniert.

Die Vorzüge des deutschen Großprojekts kann Witt längst im Schlaf referieren. Die Nachhaltigkeit des Olympia-Gastgebers von 1972, die revolutionären Umweltpläne, das wirtschaftliche Potenzial, die Wintersport-Begeisterung, die Tradition und die Tatsache, dass es seit 1936 in Garmisch-Partenkirchen keine Winterspiele mehr in Deutschland gegeben hat. Ein Zeitzeuge der Garmisch-Spiele soll bei der 45-minütigen Abschluss-Präsentation am Mittwoch die Leidenschaft der emotionalisierten Bewerbungsgesellschaft symbolisieren.

Die mäßigen Zustimmungsraten bei der IOC-Umfrage im Dezember 2010, als nur 56 Prozent der Deutschen Olympia befürwortet hatten, sind vergessen. Auf Nachfragen zum Terroranschlag bei den Spielen 1972 sind die Münchner vorbereitet. Das Präsentationsteam steht, und die wichtigsten Rollen sind klar verteilt.

Bach ist für die sportpolitische Kompetenz zuständig, «La Witt» für Gefühle und Herzlichkeit. Bundespräsident Wulff bringt Sicherheitsgarantien und die einhellige Zustimmung der Politik mit ein, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude den Lokalkolorit, und Bewerbungschef Bernhard Schwank erklärt die technischen Details des Zwei-Park-Konzepts. Die alpine Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch, die zwölfmalige Paralympics-Siegerin Verena Bentele und IOC-Mitglied Claudia Bokel haben die Aufgabe, als glaubwürdige Athleten «die freundlichen Spiele» zu verkaufen.