Paris (dpa) - So schnell wie Usain Bolts Masseur in Paris zur Stelle war, ist sonst nur der Superstar selbst. Nach seinem 200-Meter-Sieg gegen Europameister Christophe Lemaitre ließ sich Bolt noch auf der Laufbahn des Stade de France eine Massagebank aufstellen und die müden Beine durchkneten.

Dabei verschickte der Weltrekordler aus Jamaika fleißig Textnachrichten mit seinem Handy und beantwortete sogar die eine oder andere Journalistenfrage. «Ich muss konzentriert bleiben und besser werden in den nächsten Wochen. Mein Fokus liegt auf der WM», sagte der 24-Jährige nach dem bislang hochwertigsten Diamond-League-Meeting der Leichtathleten in dieser Saison.

Bolt bleibt weiter ungeschlagen in diesem WM-Jahr, ist aber nach wie vor nicht richtig fit geschweige denn in Bestform. Das ist die Botschaft, die am Freitagabend ausging von seiner Massagebank. Dieser skurrile Auftritt passte aber gleichzeitig auch ganz gut zu einem wirklich skurrilen Rennen. Denn dass Bolt mit seiner Siegerzeit von 20,03 Sekunden so klar über der eigenen Weltjahresbestleistung (19,86) blieb, lag auch daran, dass der Start zum Ärger der Athleten gleich mehrfach verzögert werden musste. Erst kam ein Hochsprung dazwischen, dann streikte die Technik: Insgesamt 14 Minuten tigerten die Sprinter um ihre Startblöcke herum, ehe es endlich losging.

«Diese Verzögerung war zu lang», sagte Bolt. «Man wird kalt, sie bringt einen aus dem Rhythmus, das ist nicht gut für mich.» Später räumte der Weltmeister und Olympiasieger noch ein, durch eine Erkältung gehandicapt gewesen zu sein. Wofür seine Gegner nicht schnell genug waren, schafften so die äußeren Umstände: Sie setzten Bolt ziemlich zu. Auf den letzten 50 Metern verlor er viel Tempo.

Trotzdem kam ihm das Start-Chaos nicht ganz ungelegen. Es lenkte ein wenig von den Fragen nach seiner Form ab. Bolt weiß um seine ungewohnten Defizite beim Start und bei seiner Explosivität in diesem Jahr, er war vor dem Meeting in Paris eigens für mehrere Wochen nach Jamaika geflogen, um an ihnen zu arbeiten. Darüber reden möchte er deshalb aber noch lange nicht. «Ich habe in den letzten Jahren einen hohen Standard erreicht, deshalb haben die Leute auch sehr hohe Erwartungen an mich», sagte Bolt nur. Auf die Frage, ob ihn das viele Krafttraining nach seiner Rückenverletzung im vergangenen Jahr einiges an Geschwindigkeit gekostet habe, antwortete er vielsagend: «Ich arbeite hart und muss dabei die Balance finden.»

Allzu viele Gegner braucht der Superstar wenigstens über die 200 Meter nicht zu fürchten. Tyson Gay (USA) ist verletzt, der ehemalige Vize-Weltmeister Darvis Patton (USA) lief in Paris nur hinterher. Bleiben US-Meister Walter Dix und immer mehr auch der erst 21 Jahre alte Lemaitre: Der wurde am Freitag in 20,21 Sekunden Zweiter und ärgerte sich zunächst darüber, den französischen Rekord (20,16) verpasst zu haben. Später sagte er dann aber: «Ich bin zufrieden mit meinem Resultat. Und ich bin näher an Bolt herangekommen. Letztes Jahr war ich noch deutlich weiter hinter ihm zurück.»