Büdelsdorf (dpa) - Der Mobilfunkanbieter Freenet hat nach einem gut verlaufenen zweiten Quartal seine Gewinnprognose angehoben. Im Gesamtjahr will das Management um Vorstandschef Christoph Vilanek beim operativen Ergebnis aus fortgeführter Geschäftstätigkeit statt 325 Millionen Euro nun 350 Millionen Euro erreichen.

Der freie Barmittelzufluss (Free Cash Flow) solle die Schwelle von 220 Millionen Euro überschreiten (bisher: 200 Millionen Euro), wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die Büdelsdorfer lagen mit ihrem Umsatz zwar unter den Erwartungen von Analysten, operativer Gewinn und Konzernüberschuss überraschten jedoch positiv.

Am Markt wurden die Zahlen mehrheitlich positiv aufgenommen. Die angehobene Prognose stimme zuversichtlich, obwohl der Mobilfunkanbieter Kunden verliere, hieß es an der Börse. Die Freenet-Aktie legte am Morgen kräftig zu. In einem robusten Marktumfeld schoss das Papier um 14,24 Prozent auf 7,967 Euro an die Spitze des TecDax.

Den Abgang der Kunden konnte der Mobilfunkanbieter etwas eindämmen. Nachdem im ersten Quartal noch 174.000 der umsatzstarken Vertragskunden abgewandert waren, belief sich der Kundenschwund im zweiten Quartal auf 97.000. Jetzt rechnet die Geschäftsführung auch fürs Gesamtjahr mit weniger Kundenabgängen. Bisher erwartete der Konzern bis zu 500.000 Verträge weniger. Nun rechnet die Freenet-Führung damit, dass netto höchstens 450.000 Kunden dem Unternehmen den Rücken kehren.

Unterstützung erwartet der Konzern von seinem neuen IT-System. Drei verschiedene Systeme verschmolz das Unternehmen im ersten Halbjahr auf nur noch eines. Bereits jetzt zeige sich durch den einfacheren Zugriff auf Kundendaten der Erfolg bei der Kundenbindung, hieß es im Halbjahresbericht. Der Konzern will sich künftig auf umsatzstärkere Vertragskunden konzentrieren und auf das Wachstumsgeschäft mit Smartphones und mobilem Internet setzen.

Im Jahresvergleich sank der durchschnittliche Erlös je Vertragskunde von 24,2 Euro auf 23,7 Euro. Im Segment mit günstigen Prepaid-Karten verlor das Unternehmen im Vergleich zum Vorquartal rund 330.000 Kunden. Diese Verluste seien vorwiegend auf die Ausbuchung inaktiver SIM-Karten durch die Netzbetreiber zurückzuführen und demzufolge ergebnisneutral, hieß es. Insgesamt entwickle sich der Teilnehmerbestand weiterhin entlang der Planungen.

Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus fortgeführtem Geschäft (EBITDA) sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,6 Prozent auf 89,7 Millionen Euro. Damit übertraf das Unternehmen allerdings die Erwartungen der Analysten. Auch unter dem Strich blieb mit 20,8 Millionen Euro mehr übrig, als Experten erwartet hatten. Der Umsatz der Büdelsdorfer ging hingegen überraschend stark um rund zehn Prozent auf 757,5 Millionen Euro zurück.