New York (dpa) - Der Internet-Konzern AOL hat an einem Tag gut ein Viertel seines Börsenwerts verloren. Auslöser für den Kurssturz waren am Dienstag ein abermaliger Quartalsverlust und eine schlechter als erwartet ausgefallene Prognose.

Außerdem mehren sich an der Börse die Zweifel, dass es Konzernchef Tim Armstrong gelingt, den Online-Pionier von einem Zugangs-Anbieter zu einem werbefinanzierten Internet-Medienhaus umzubauen.

Die AOL-Aktie fiel bis zum US-Handelsschluss um 25,75 Prozent auf 11,19 Dollar. Im Handelsverlauf streifte sie sogar einen Tiefpunkt bei 10,37 Dollar. Dabei waren die zuvor vorgelegten Ergebnisse des zweiten Quartals nicht gerader berauschend, ließen auf den ersten Blick aber auch nicht vermuten, dass der Kurs in kurzer Zeit abstürzen würde. So war der Verlust mit 11,8 Millionen Euro um ein Vielfaches geringer als das Loch von 1,05 Milliarden ein Jahr zuvor.

Der Umsatz sank zwar um acht Prozent auf 542,2 Millionen Dollar. Dabei gelang es aber, die Werbeerlöse um fünf Prozent auf 319 Millionen Dollar zu steigern - der erste Zuwachs seit längerer Zeit. Im Geschäft mit Internet-Zugängen gab es dagegen ein saftiges Minus von 23 Prozent auf 201,3 Millionen Dollar.

US-Medien zufolge war es vor allem die Prognose, die AOL den Zorn der Investoren bescherte. Der Konzern erwartet angesichts eines zuletzt abgeschwächten Werbegeschäfts ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen von 340 bis 370 Millionen Dollar. Am Markt sei eher mit einem Wert bei 425 Millionen Dollar gerechnet worden, sagte etwa RBC-Analyst Ross Sandler dem «Wall Street Journal».

Die Anleger verlieren zunehmend die Geduld mit AOL und Konzernchef Armstrong. Seine Strategie, Kundenaugen für die Werbung auch mit teueren Übernahmen zu gewinnen, ist seit langem umstritten. So gab der Kurs bereits nach, als AOL in diesem Jahr für 315 Millionen Dollar die populäre Website «Huffington Post» kaufte. Im vergangenen Quartal verschlang die Übernahme den Großteil des Gewinns.

AOL war einst ganz groß im Geschäft als Anbieter von Internet-Zugängen und ein Portal mit Diensten wie E-Mail. Auf dem Höhepunkt fusionierte das Unternehmen mit dem Medienriesen Time Warner. Die Firmenehe geriet jedoch zum Desaster und AOL wurde vor einigen Jahren wieder solo an die Börse gebracht.