Lorient (dpa) - Die Bretagne ist eine ganz besondere Region: Armorica, wie dieser Teil Frankreichs in keltischer Sprache heißt, ist das Heimatland von Asterix, Obelix und Miraculix. Es hat die meisten Hinkelsteine, und die keltische Kultur ist in Ortsnamen, Bräuchen und Festen verewigt.

Eines davon ist das «Festival Interceltique de Lorient»: Das größte Keltentreffen der Welt. Jährlich zieht das zehntägige interkeltische Festival in der bretonischen Küstenstadt Lorient rund 800 000 Besucher und tausende von Musikern und Tänzern aus Schotten, Irland, Galizien, Asturien und Australien an.

Bis zum 14. August steht die mehr als 60 000 Einwohner zählende Stadt Kopf. Als das Festival 1970 aus der Taufe gehoben wurde, lag die keltische Kultur noch weitgehend brach. In der Region gab es nicht mehr als 20 Bagaden, bretonische Varianten von Musikgruppen mit Dudelsäcken und Trommeln (Pipes & Drums). Heute ziehen bei der Grande Parade, einem der Highlights des Festivals, fast 80 solcher Orchester durch die Straßen Lorients.

Der schrille und laute Ton der Dudelsäcke erklingt bis in die Morgenstunden. In Cafés, Brasserien und Konzerthallen blasen Musikgruppen kräftig ins Rohr und in die Pfeife und wetteifern mit kreischenden E-Gitarren und Synthesizern. Die keltische Musik wusste mit der Zeit zu gehen. Mehr als 120 Veranstaltungen stehen auf dem Programm, darunter Bagaden-Wettkämpfe, keltischer Rock, australischer Country und spanischer Pop-Rock.

Ein Programm, dass durstig und hungrig macht. Wildschweinhaxe, die Lieblingsspeise von Asterix und Obelix, sucht man vergeblich, denn Wildschweine gibt es in der Bretagne nur noch wenige. Doch stattdessen werden süße Crêpes, salzige Galettes und Kouign-Amann angeboten, ein gehaltvoller Kuchen aus Butter und Zucker. Guinness, der Zaubertrank zeitgenössischer Kelten, wird dazu literweise aus dem Fass gezapft.

Die Bretagne ist heute eine Hochburg traditioneller Musik. Das Angebot reicht vom internationalen Harfenfestival in Dinan bis zum kleinen «festoù noz», bretonische Tanzabende in den Städten und Dörfern der Region. In der Region am Meer werden mehr als die Hälfte des Schallplattenangebots traditioneller französischer Musik produziert. Und auch einige der besten Sonneurs, oder «soner» auf bretonisch, kommen aus Armorica - Musiker, die die sowohl die Bombarde und als auch das «binioù», die bretonische Sackpfeife, spielen.

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