Herzogenaurach (dpa) - Europas größter Sportartikelhersteller Adidas sprintet auf neue Bestwerte zu: «Nach diesem erfolgreichen ersten Halbjahr sind wir auf dem besten Weg, 2011 neue Rekorde für Umsatz und Gewinn zu erzielen».

Das sagte Konzernchef Herbert Hainer am Donnerstag in Herzogenaurach. Das Wachstum werde durch starke Zuwächse in Märkten wie China und Nordamerika sowie robuste Umsätze in den eigenen Shops getragen, erläuterte er. Hinzu komme, dass der Rückgang in Japan nach der Atomkatastrophe bei weitem nicht so drastisch ausfalle wie zunächst angenommen. Am Gesamtplus könnten selbst die derzeit für Adidas ungünstigen Wechselkurseffekte nichts ändern. «Unser Geschäft läuft in jeder Hinsicht hervorragend», sagte Hainer, der auch von der anstehenden Leichtathletik-WM Impulse erwartet.

Ein zweistelliges Umsatzwachstum in allen Regionen hat die Erlöse der Franken in den ersten sechs Monaten des Jahres um 13,4 Prozent auf den Rekordwert von 6,3 Milliarden Euro getrieben. Vor allem in China ging der Absatz massiv in die Höhe. Der Gewinn stieg um gut 18 Prozent auf 349 Millionen Euro. Die Entwicklung im ersten Halbjahr sei «ein klarer Beweis dafür, dass unsere Kurz- und Langzeitziele nicht nur ambitionierte Bestrebungen sind, sondern sehr realistisch und sehr erreichbar», kommentierte Hainer, der 2015 einen Umsatz von 17 Milliarden Euro erzielen will.

Im zweiten Quartal profitierte Adidas von guten Geschäften in einigen europäischen Staaten und China und steigerte den Umsatz um fünf Prozent auf knapp 3,1 Milliarden Euro - obwohl im Vorjahreszeitraum die Fußball-WM für einen Verkaufsschub gesorgt hatte. Der im Vergleich zum Dollar starke Euro setzte dem weltweit zweitgrößten Sportartikelhersteller allerdings in Nordamerika zu und traf auch die US-Tochter Reebok. Der Quartalsüberschuss verbesserte sich dennoch von 126 auf 140 Millionen Euro.

Im Gesamtjahr 2011 sollen die Erlöse nach der neuen Prognose währungsbereinigt um etwa zehn Prozent statt wie bisher angenommen im hohen einstelligen Bereich steigen. Der Ertrag wiederum soll zwischen 648 und 652 Millionen Euro - und damit deutlich über dem bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008 - liegen.

Die Börse goutierte die Ergebnisse: Die Aktie des Dax-Unternehmens mit weltweit gut 46 300 Mitarbeitern stieg bis zum Nachmittag um rund 2,9 Prozent auf 50,25 Euro.

Zugleich wurde bekannt, dass die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sich im Zusammenhang mit dem Verkauf von Adidas-Aktien einem Verfahren wegen Amtsmissbrauchs stellen muss. Es geht um eine Entschädigungszahlung aus der Staatskasse von 285 Millionen Euro plus Zinsen an den Geschäftsmann Bernard Tapie, der sich Anfang der 90er Jahre beim Verkauf seiner Adidas-Anteile von der damaligen Staatsbank Crédit Lyonnais geprellt fühlte. Als französische Wirtschaftsministerin ermöglichte Lagarde die Zahlung 2008 nach einem Schlichterspruch.