Berlin (dpa) - Kein Sponsor, keine Zukunft: Ausgerechnet die Erfolgsmannschaft von HTC Highroad um Zeitfahr-Spezialist Tony Martin und Super-Sprinter Mark Cavendish steigt am Saisonende aus dem Radsport aus.

Wie der Besitzer des Rennstalls Bob Stapleton mitteilte, hat er keinen neuen Geldgeber gefunden und ist damit zu dem radikalen Schritt gezwungen. Noch vor etwas mehr als einer Woche hatte der Amerikaner verkündet, kurz vor Abschluss eines lukrativen Deals zu sein. Der erhoffte neue Sponsor sei aber plötzlich abgesprungen. Wie es nun mit Fahrern, Betreuern und auch Teamchef Rolf Aldag sowie Berater Erik Zabel weitergeht, ist offen.

«Wir können nicht mit deutlich weniger Geld Topleistungen bringen», betonte Stapleton. «Wenn wir nicht in der Lage sind, vorne mitzufahren, können wir auch nichts bewegen und das war unserer wichtigstes Ziel. Weil wir das so nicht erreichen können, ist es das Beste, unsere Leute gehen zu lassen.»

Aldag hatte schon während der Tour de France im Juli, als Tage ohne positive Nachricht von der Sponsorensuche verstrichen, betont: «Um das Team mache ich mir keine Sorgen. Die kommen jederzeit überall unter und würden auch noch mehr Geld verdienen.» Vor Wochen hatte Brian Holm, ein Sportlicher Leiter von HTC, in einem Interview erzählt, dass bereits ein Team mit einer Offerte an etliche Fahrer und die Teamchefs herangetreten sei.

Die Verantwortlichen der US-Equipe, die seit ihrer Gründung 2008 als T-Mobile-Nachfolger allein bei den drei großen Rundfahrten weit mehr als 50 Etappenerfolge gefeiert hatte, hatten die Sponsoren-Not im Juni öffentlich gemacht. Team-Patron Stapleton sieht das Image des Radsports durch das Non-Stop-Thema Doping arg beschädigt.

Womöglich war Superstar Cavendish, der in diesem Jahr fünf und insgesamt bereits 20 Tour-Etappen gewonnen hatte, das Zünglein an der Waage: Spekulationen zufolge knüpfte HTC sein Engagement an den Verbleib des Briten im Team. Cavendish wird stark mit dem Team Sky in Verbindung gebracht und verkündete just am Wochenende, eine Entscheidung über die Zukunft gefällt zu haben, ohne Namen zu nennen.

Tony Martin, der in diesem Jahr seine erste Tour-Etappe gewann, hatte stets betont, beim Team bleiben zu wollen. Allerdings verrieten sowohl der Wahl-Schweizer als auch sein Manager Jörg Werner, bereits in Kontakt mit anderen Teams zu stehen.