Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will die Megafusion der Deutschen Börse mit der New York Stock Exchange (NYSE) genauer unter die Lupe nehmen.

Nach Ablauf einer ersten Frist am Donnerstag kündigten die europäischen Wettbewerbshüter in Brüssel eine vertiefte Prüfung der geplanten Fusion an. Damit könnte sich der Abschluss - gegen den Willen der Beteiligten - bis Ende des Jahres hinziehen.

«Die erste Marktuntersuchung der Kommission signalisierte erhebliche Bedenken in Bezug auf Derivate, da durch die Transaktion die beiden größten Derivatebörsen in Europa vereint werden würden», teilte die Behörde mit. Die Kommission habe nun bis zum 13. Dezember Zeit, um zu entscheiden, ob der Zusammenschluss den Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum erheblich behindern würde.

«Der geplante Zusammenschluss würde dem Markt einen starken Wettbewerber nehmen und dem fusionierten Unternehmen die bei weitem führende Stellung im europäischen Derivatehandel vermitteln», sagte der zuständige EU-Kommissar Joaquín Almunia. Außerdem könnte der Gebührenwettbewerb eingeschränkt werden. Als Kunden könnten etwa Pensionsfonds, Investmentfonds und Privatkundenbanken betroffen sein.

Brüssel hatte schon zuvor Bedenken signalisiert - denn schließlich wollen zwei ganz Große der Börsenwelt zusammengehen und einen neuen Weltmarktführer schmieden. Das die Wettbewerbshüter die Fusion stoppen, gilt aber als unwahrscheinlich. Es wird erwartet, dass die Behörde den Zusammenschluss unter Auflagen genehmigen wird.

Die Aktionäre beider Seiten hatten bereits grünes Licht für den Zusammenschluss gegeben. Was noch aussteht, ist die Freigabe der Kartellbehörden. Neben der EU-Kommission müssen auch die US-Aufsichtsbehörden dem Geschäft zustimmen. «Die Entscheidung, ein eingehendes Prüfverfahren einzuleiten, bedeutet keine Vorwegnahme des Ergebnisses der Untersuchung», hieß es in der Mitteilung aus Brüssel.

Mitteilung der EU-Kommission