Frankfurt/Main/Berlin (dpa) - Nur kurzes Aufatmen bei den Urlaubern: Die Fluglotsen drohen nach ihrem gescheiterten Anlauf zum ersten Streik erneut mit Arbeitskampf.

Die bundeseigene Flugsicherung will ebenfalls keinen Schritt zurückweichen. Die Lotsen kündigten einen neuen Streik bereits zu Beginn der kommende Woche an. Der Streit über mehr Geld und Arbeitserleichterungen für die Fluglotsen geht in die nächste Runde.

Auf die kurzfristige Absage des Streiks am Mittwochabend reagierten Fluggäste und Airlines mit Erleichterung. Die meisten Ferienflieger hoben am Donnerstag pünktlich ab. Die Flugsicherung beobachtete am Vormittag nur wenige Ausfälle und Verspätungen im Luftraum. Doch der grundsätzliche Tarifkonflikt bei der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) ist mit dem Scheitern des ersten Streikanlaufs nicht gelöst.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) gibt sich weiter kampfbereit. Zu den neuen Streikplänen sagte GdF-Tarifvorstand Markus Siebers der dpa in Frankfurt: «Es wird wohl Anfang nächster Woche wieder so weit sein.» Man könne dabei auf frühere Planungen zurückgreifen. Erneut soll ein Streik mindestens 24 Stunden vorher angekündigt werden.

In einem offenen Brief an die DFS-Beschäftigten erhob die Gewerkschaft Vorwürfe gegen DFS-Geschäftsführung wie auch gegen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Man sehe sich nach den juristischen Auseinandersetzungen «jetzt erst recht in der Pflicht», etwas gegen die Pläne der Führung zu unternehmen, erklärte der GDF-Bundesvorstand am Donnerstag. Die Führungsetage des bundeseigenen Unternehmens habe Mitarbeiter bedroht und fehlinformiert, heißt es. So würden Kranke unter den Generalverdacht der Täuschung gestellt und Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte missachtet.

Mit juristischen Scharmützeln werde die DFS-Geschäftsführung den Streik nicht verhindern. Ramsauer sei anscheinend überhaupt nicht informiert, wenn er davon schwadroniere, den Bogen nicht zu überspannen, kritisierte die GdF.

Ramsauer hatte im ARD-Morgenmagazin moniert: Eine wöchentliche Arbeitszeit von etwa 25 Stunden, ein Jahresurlaubsanspruch von 50 Tagen und ein Brutto-Jahresgehalt von rund 120 000 Euro - «das sind Arbeitsbedingungen, die können sich sehen lassen». Die GdF bezeichnete diese Angaben wiederum als wirklichkeitsfern. Ramsauer forderte die Tarifpartner auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.