München (dpa) - ProSiebenSat1 bleibt dank höherer Werbeeinnahmen und wachsender Umsätze im Ausland auf Rekordkurs. Daneben machen auch die Geschäfte abseits des reklamefinanzierten Fernsehens dem Münchner TV-Konzern weiter Freude.

Dazu gehören etwa Online-Spiele oder Pay-TV. «Wir haben eine gute Position im TV-Werbegeschäft und bauen die Bereiche, die unmittelbar an das klassische werbefinanzierte Fernsehen angrenzen, weiter aus. So konnten wir unser Wachstum beschleunigen», sagte Konzernchef Thomas Ebeling am Donnerstag. Keine Zukunft hat dagegen der einstige Telefon-Quiz-Sender 9Live.

Der Umsatz wuchs im zweiten Quartal um 6,5 Prozent auf 692,2 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente die Senderfamilie 81,8 Millionen Euro nach 51,2 Millionen vor einem Jahr. Aus den Zahlen ist das inzwischen verkaufte Fernsehgeschäft in den Niederlanden und Belgien bereits herausgerechnet. Die 1,2 Milliarden Euro, die Ebeling für die Sender bekam, steckt er komplett in den Schuldenabbau.

Das dürfte den derzeit von den Finanzinvestoren KKR und Permira kontrollierten Konzern auch für künftige Investoren erheblich attraktiver machen - auch wenn es in Sachen Eigentümerwechsel oder eines kompletten Börsengangs des Unternehmens keine Neuigkeiten gab. Die Eigner hatten zuletzt betont, dass sie mit dem Ausstieg bei ProSiebenSat1 keine Eile haben.

Mit dem Verkauf der Geschäfte in Belgien und Holland ist Ebeling beim Komplettumbau des Konzerns einen großen Schritt vorangekommen. An den gutlaufenden Sendern in Skandinavien will er aber zunächst festhalten, ein Verkauf sei derzeit nicht geplant. «Um es mit James Bond zu sagen: "Sag' niemals nie"», sagte Ebeling. In den kommenden drei bis fünf Jahren stehe das Engagement in Skandinavien aber keinesfalls zur Disposition. «Das ist sicher», betonte der Manager. Zugleich will Ebeling an anderer Stelle aufstocken.

So soll es auch von ProSieben ein Bezahlangebot geben, analog zu den Pay-Sendern Sat1 Comedy oder Kabel1 Classics. Ausbauen will Ebeling auch die Reichweite des Frauensenders Sixx, der seit seiner Gründung vor gut einem Jahr erfolgreich läuft. Bis Ende des Jahres sollen rund 30 Millionen Haushalte den Kanal empfangen können. Kein Erfolg ist 9Live beschieden: Nach dem Aus der Live-Telefon-Quizshows gehen für den Sender in der kommenden Woche die Lichter endgültig aus. Seinen zehnten Geburtstag wird 9Live damit nicht mehr erleben.

Vom 9. August an bleibt die Mattscheibe erst einmal schwarz. Seit der Einstellung des Live-Betriebs Ende Mai hatte der Sender alte Serien gezeigt. Für die meisten der gut 60 Mitarbeiter geht es allerdings weiter. Immerhin 40 Prozent arbeiten weiter im Konzern. 25 Prozent wurden anderen Firmen vermittelt - für die übrigen rund 20 Mitarbeiter gibt es einen Sozialplan.