Frankfurt/Main (dpa) - Verzicht auf die Real-Stars Özil und Khedira, Chance für den Borussen-Neuling Gündogan: Joachim Löw nutzt selbst den heißen Fußball-Kracher gegen Brasilien als Experimentierfeld für seine EM-Mission.

Der Bundestrainer überraschte mit einer Sonderpause für seine prominenten Spanien-Legionäre Mesut Özil und Sami Khedira. Statt am 10. August in Stuttgart mit den DFB-Kollegen gegen den Rekord-Weltmeister die EM-Saison einzuläuten, soll sich das Duo nach den Reisestrapazen der Real-Welttour in Madrid in Ruhe auf die neue Spielzeit vorbereiten. «Aufgrund dieser Belastungen ist es sinnvoll, sie ihre Saison-Vorbereitung jetzt in Spanien fortsetzen zu lassen und sie erst zu den Länderspielen im September wieder einzuladen», begründete Löw seine unerwartete Entscheidung.

Die Auszeit für die Stammkräfte könnte zur schnellen Chance von Ilkay Gündogan werden, der von Löw erstmals in den erlauchten A-Kader berufen wurde. «Ilkay hat eine gute Entwicklung gemacht und auch aktuell in den Vorbereitungsspielen gute Leistungen gezeigt. Er ist ein technisch begabtes Talent mit hoher Spielintelligenz», sagte Löw über den versierten Mittelfeldmann. «Ich freue mich riesig, dass der Bundestrainer mir sein Vertrauen schenkt und werde wie in meinem Verein auch in der Nationalmannschaft alles geben. Für mich erfüllt sich mit dieser Berufung ein Traum», sagte Gündogan, der schon am Vortag stolz von einem Telefonat mit dem DFB-Chefcoach berichtet hatte und zum 47. Neuling unter Löw werden könnte.

Letztmals strich Löw den Namen Michael Ballack von seiner Kaderliste. Nach der Absage des Ex-Kapitäns für das offerierte Abschiedsspiel hat das Brasilien-Ballyhoo für Löw nun richtigen sportlichen Wert bekommen. Und der Bundestrainer nutzt die Partie, um sein EM-Personal gleich zum frühen Saisonzeitpunkt intensiv zu sichten.

Die Seleçao ist dabei der willkommene Gratmesser auf dem Weg zum angestrebten EM-Titel im Sommer 2012. «Die Brasilianer sind eine der erfolgreichsten Fußball-Nationen der Welt und genießen überall den Ruf, äußerst attraktiv zu spielen. Kein anderes Team hat so eine Ansammlung von überragenden Individualisten in seinen Reihen. Das Aufeinandertreffen mit Brasilien ist daher ein interessanter Test für uns», sagte Löw.

Neben Gündogan steht in Marco Reus ein weiterer Akteur ohne A-Einsatz im 22-köpfigen Aufgebot gegen den fünffachen Weltmeister. Der bereits mehrfach nominierte Gladbacher nimmt nach mehreren Verletzungsabsagen schon den vierten Anlauf auf einen Einsatz im weiß-schwarzen Dress. Prominente Rückkehrer ins DFB-Ensemble sind nach Verletzungen Bastian Schweinsteiger und Jêrome Boateng, die zu dem großen Bayern-Block gehören.

Gleich acht Akteure und damit mehr als ein Drittel aller Profis spielen für den nationalen Branchenprimus, vier Akteure - inklusive Gündogan - stellt der deutsche Meister Borussia Dortmund. Am Wochenende wird Löw die Partien in Dortmund (gegen HSV), Stuttgart (gegen Schalke) und München (gegen Mönchengladbach) live verfolgen und die Frühform von bis zu 15 seiner 22 Spieler begutachten können.