Berlin (dpa) - Die Erstliga-Rückkehr von Hertha BSC ist missglückt - der 1. FC Nürnberg dagegen startete dank eines späten Tores von Neuzugang Tomas Pekhart mit einem «Dreier» in die Saison.

Der tschechische Stürmer traf am 1. Spieltag der Fußball-Bundesliga zum 1:0 (0:0)-Sieg des «Clubs» in der Hauptstadt. Der gerade eingewechselte Jens Hegeler vernaschte Maik Franz, Hertha-Kapitän Andre Mijatovic konnte Pekhart nicht am «goldenen Tor» hindern. Damit ist schon jetzt klar: Die 30. Bundesliga-Saison wird für den Hauptstadtclub ganz schwer.

«Vom ganzen Auftreten war das enttäuschend. Wir haben viel zu viel Angst gehabt und sind ohne Mumm aufgetreten», resümierte Hertha-Trainer Markus Babbel die ersten 90 Bundesliga-Minuten. «Man muss der Mannschaft ein Kompliment machen, dass sie von Anfang an das Heft in die Hand genommen hat», lobte «Club»-Coach Dieter Hecking seine Spieler. «Wir haben uns am Anfang schwer getan, aber die Ruhe bewahrt und sind am Schluss belohnt worden», meinte Torvorbereiter Hegeler («Ich habe den Ball blind in die Mitte gespielt»).

455 Tage nach dem Erstliga-Abschied wirkte Hertha gehemmt. Die aktivere Mannschaft war vor 61 118 Zuschauern der 1. FC Nürnberg. Die Herthaner, die in der Vorsaison als souveräner Zweitliga-Meister den schmerzlichen Betriebsunfall sofort repariert hatten, taten sich lange schwer mit der Wiedereingewöhnung an die «Höhenluft». Zu wenige Ideen und vor allem zu wenig Tempo - so zeigten sich die mit allen vier ablösefreien Neulingen (Kraft, Ottl, Franz, Torun) angetretenen Berliner bei schwül-warmem Sommerwetter. Mit den vielen langen Pässen auf die einzige Spitze Pierre-Michel Lasogga (19) waren die Nürnberger nicht in Bedrängnis zu bringen.

Die nach den Abgängen von Gündogan (Dortmund), Ekici, Wolf (beide Bremen) und Schieber (Stuttgart) neu zusammengestellte Nürnberger Mannschaft suchte im Berliner Olympiastadion jedoch auch über weite Strecken das eigene Rezept. Der Überraschungs-Sechste der Vorsaison kam dabei zumindest dem gegnerischen Tor näher. Der in die Startelf gerückte Markus Mendler sowie der Tscheche Pekhart, einer von drei Neuen in Heckings Team, zeigten noch den meisten Mut nach vorn.

Aufstiegscoach Babbel reagierte in der Pause, brachte den zunächst auf der Bank schmorenden Brasilianer Raffael für den Ex-Hamburger Tunay Torun und beorderte den kolumbianischen Nationalstürmer Adrian Ramos mehr auf den Flügel. Und diese Maßnahme des zweitjüngsten Bundesliga-Trainers (38), für den es nach 288 Partien als Spieler und 33 als Chefcoach des VfB-Stuttgart auch eine persönliche Rückkehr ins Oberhaus war, zeigte zumindest ein wenig Wirkung. Dabei hatte Raffael nach einem Zusammenprall mit Timm Klose eine Kopfwunde erlitten und musste mit einem «Turban» weiterspielen.

Babbels Kollege Hecking (45) hatte in Berlin Abwehrspieler Per Nilsson (Achillessehne) und Flügelspieler Robert Mak (Adduktoren) nicht dabei. Philipp Wollscheid (grippaler Infekt) und Timothy Chandler (Wade) konnten dagegen spielen. Erst nach 58 Minuten zwang Markus Feulner, der beim 5:1-Pokalsieg in Bielefeld drei Tore erzielt hatte, mit einem 25-Meter-Schuss Berlins neuen Torwart Thomas Kraft zur ersten echten Parade.