Genua (dpa) - Eine brennende Albanien-Flagge, nationalistische Kosovo-Spruchbänder, Brandgeschosse und brutale Randale: Serbische Hooligans haben mit gezielten Krawallen beim abgebrochenen EM- Qualifikationsspiel in Italien die Fußballwelt geschockt.

Die Gewalteskalation hat eine neue Dimension erreicht. In Italien herrschte am Tag nach den Jagdszenen in der Hafenstadt Genua blankes Entsetzen, die serbische Regierung witterte sogar eine Verschwörung. «Diese Tyrannen sind eine Schande für unser Land», klagte Serbiens Sportministerin Snezana Samardzic-Markovic nach den Ausschreitungen, für die ihre Regierung «politische Saboteure» verantwortlich machte. Die vorläufige Bilanz: 16 Menschen, darunter zwei Polizisten, wurden verletzt.

Nach den hässlichen Gewaltexzessen hat die Europäische Fußball-Union (UEFA) umgehend ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und wird voraussichtlich am 28. Oktober über mögliche Sanktionen entscheiden. Diese reichen von einer Geldstrafe über ein Stadionverbot bis zum Ausschluss aus laufenden oder künftigen Wettbewerben, teilte die UEFA nach dem zweiten Spielabbruch der langen EM-Geschichte mit.

UEFA-Präsident Michel Platini zeigte sich «schockiert» und betonte: «Ich erinnere jeden daran, dass die UEFA eine Null-Toleranz-Politik hat gegenüber Gewalt im Stadion. Er werde «Hilfe von höchster Stelle» in beiden Ländern anfordern, hieß es in einer UEFA-Mitteilung. Zuvor hatte ein Sprecher der Nachrichtenagentur ANSA gesagt: «Neben der Verantwortlichkeit desjenigen, der Ausschreitungen verursacht, gibt es im UEFA-Reglement auch noch die des gastgebenden Verbands. Der Verband, der das Spiel ausrichtet, muss die Sicherheit im Stadion und den ordnungsgemäßen Ablauf eines Spiel garantieren.»

Am 2. Juni 2007 war ebenfalls in der Qualifikation bereits das Gruppenspiel zwischen Dänemark und Schweden in Kopenhagen beim Stand von 3:3 kurz vor dem Abpfiff abgebrochen worden - ein dänischer Fan hatte den deutschen Schiedsrichter Herbert Fandel angegriffen. Das Spiel wurde mit 3:0 für Schweden gewertet.

In Genua verhinderte die Polizei nur mit größter Anstrengung einen Ausbruch der rund 1600 serbischen Fans und damit eine mögliche Panik im Stadion, die zu einer Tragödie wie im Brüsseler Heysel-Stadion hätte führen können. Dort waren 1985 beim Europacupspiel zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool bei einer Massenpanik 39 Menschen ums Leben gekommen.

«In Genua hat die Polizei ein Blutbad verhindert», sagte Italiens Innenminister Roberto Maroni». «Als ich die Serben die Scheibe eintreten sah, die sie von den italienischen Fans trennt, bekam ich wirklich Angst», gab Italiens Nationalcoach Cesare Prandelli zu. Erst am frühen Mittwochmorgen hatte die Polizei die Situation unter Kontrolle.