Berlin (dpa) - Berti Vogts lacht, Guus Hiddink zittert und Didi Constantini weiß nicht so recht, ob er sich ärgern oder freuen soll - der große Gewinner der kuriosen Duelle in Baku und Brüssel heißt aber Joachim Löw.

Weil die Rivalen der deutschen Nationalelf auf dem Weg zur EM 2012 schwächelten, geht das DFB-Team mit fünf Punkten Vorsprung auf Österreich und gar sechs auf die Türkei in die Winterpause. Härtester Verfolger sind die Österreicher, die beim 4:4 in Belgien sogar in Unterzahl einen Punkt aus Brüssel entführten. Vor einem Scherbenhaufen stehen die Türken, die sich beim Weltranglisten-102. Aserbaidschan von Coach Berti Vogts 0:1 blamierten. Guus Hiddink, dem niederländischen Trainer der Türken, droht sogar die Entlassung.

Nach 94 verrückten Minuten und dem Ausgleichstreffer Sekunden vor dem Abpfiff war von Euphorie bei Österreichs Bundestrainer Didi Constantini kaum etwas zu spüren. «Wir schauen nicht auf die Tabelle», meinte der Coach, auch wenn das ÖFB-Team hinter Löws Mannen Rang zwei festigte. «Wir können die Tabelle schon richtig einschätzen. Wir spielen noch zweimal gegen Deutschland und die Türkei, und auch daheim gegen Belgien müssen wir erst gewinnen», meinte Constantini.

Das legendäre Spiel auf der Trainerbank erlebt zu haben, tröstete den Trainer nicht über das Ergebnis hinweg. «Das ist eine schöne Geschichte, doch mir wäre lieber gewesen, wir hätten gewonnen.» Nach der roten Karte für Paul Scharner rettete der Stuttgarter Martin Harnik den Österreichern noch einen Punkt. Kurz vor Schluss hatten die Gäste noch mit 3:2 geführt, doch nach einem belgischen Doppelschlag drohte dem EM-Gastgeber von 2008 plötzlich die Pleite. «Vom Mentalen her war das sensationell, das packen andere Teams oft gar nicht», lobte Constantini.

Sein Kollege Hiddink war nach der «Scham von Baku» («Fotomac») ratlos. «Diese Niederlage kann ich nicht akzeptieren», meinte der Routinier. Über einen Rücktritt wolle er noch nicht sprechen. Das werde die Zukunft zeigen. Harmlos im Abschluss und mit eklatanten Schwächen in der Defensive ging der WM-Dritte von 2002 gegen das Team von Berti Vogts in Aserbaidschan unter. Der ehemalige Bundestrainer gab die Lorbeeren nach seinem größten Erfolg am Kaspischen Meer an die Spieler weiter. «Sie haben mit ihren Herzen gespielt», meinte Vogts, der sich einen Seitenhieb nicht verkniff. «Jeder in der Türkei weiß jetzt wohl, dass es auf der Fußballweltkarte auch Aserbaidschan gibt.»

Für Gegenüber Guus Hiddink wird die Luft am Bosporus dagegen dünn. Die Qualifikation für die kontinentalen Titelkämpfe in Polen und der Ukraine 2012 ist in weite Ferne gerückt. Die türkische Sportzeitung «Fanatik» berichtete, Hiddink wolle die Option auf eine Vertragsverlängerung über 2012 hinaus nicht mehr nutzen. Wann die Zeit für einen Rücktritt gekommen sei, «wird die Zukunft zeigen», ergänzte der Coach.

Belgien benötigt indes ein Fußball-Wunder, um noch auf Rang zwei - der zu den Playoffs berechtigt - vorzurücken. Nach dem 4:4 haderte Trainer Georges Leekens: «Die Österreicher müssen Gott danken. Sie haben das Maximum aus diesem Spiel herausgeholt. Normalerweise muss das Match 8:4 für uns ausgehen.»