London (dpa) - Der Man-Booker-Literaturpreis 2010 geht an Howard Jacobson - und bleibt damit auch in diesem Jahr in Großbritannien. Der Schriftsteller hat die renommierte Auszeichnung am späten Dienstagabend in London für seinen humoristischen Roman «The Finkler Question» erhalten.

Der Booker-Preis ist mit 50 000 britischen Pfund (rund 57 000 Euro) dotiert und wird jährlich vergeben. Jacobson war unter den sechs Nominierten als krasser Außenseiter gehandelt worden. «Ich bin wahrlich verblüfft», sagte er nach der Preisverleihung.

Jury-Präsident Andrew Motion sagte, «The Finkler Question» sei «ein sehr trauriges Buch, mit vielen lustigen Schnipseln - oder auch ein sehr lustiges Buch mit vielen traurigen Schnipseln». Es erzählt die Geschichte eines gescheiterten Mannes, der eifersüchtig auf das Leben seines alten Schulfreundes Sam Finkler ist. Wie dieser möchte er am liebsten auch Jude werden. Gemeinsam mit ihrem alten Lehrer kämpfen beide gegen Einsamkeit und Traurigkeit.

Jüdische Romanfiguren sind Teil vieler der insgesamt elf Romane Jacobsons. Der Verlag Bloomsbury bezeichnet den 68-Jährigen als «unseren witzigsten noch lebenden Autor». Gleich nach der Preisverleihung kündigte der Gewinner an, vom Preisgeld eine Handtasche für seine Ehefrau Jenny zu kaufen.

Die fünfköpfige Booker-Preis-Jury hat sich mit drei gegen zwei Stimmen für Jacobson ausgesprochen. Unter den sechs Nominierten waren Autoren wie Tom McCarthy, Emma Donoghue oder der zweifache Preisträger Peter Carey favorisiert. Der Booker-Preis wird seit 1969 verliehen und gilt als eine der größten literarischen Auszeichnungen für englischsprachige Autoren aus Großbritannien, dem britischen Commonwealth sowie aus Irland. Im vergangenen Jahr hatte die britische Schriftstellerin Hilary Mantel («Wolf Hall») den Preis gewonnen.

Die mit dem Booker-Preis ausgezeichneten Bücher werden oft zum Bestseller. Neben den erstklassigen Autoren spielt auch der Zeitpunkt der Preisvergabe vor Beginn des einsetzenden Weihnachtsgeschäftes eine Rolle. Für Jacobson war es der dritte Anlauf. Er war bereits 2002 und 2006 als möglicher Preisträger im Gespräch gewesen. Es ist das erste Mal, dass die Booker-Preis-Jury einen humorvollen Roman zum Zuge kommen lässt.