München (dpa) - Der Vorstand probt den Machtkampf mit Hollands Verband, Franz Beckenbauer hakt den Titel ab, Miroslav Klose und Mark van Bommel sind verletzt: Krisenclub Bayern München kommt nicht zur Ruhe.

Bayerns Rückrufaktion in der Causa van Bommel hat einen heftigen Streit mit dem niederländischen Fußball-Verband KNVB ausgelöst, der KNVB-Chef wirft dem deutschen Rekordmeister gar asoziales Verhalten vor. Beckenbauers Meisterschafts-Abgesang und die Personalnot sorgen drei Tage vor dem wegweisenden Bundesligaspiel gegen Hannover 96 für zusätzliche Belastung.

Der Streit um den Länderspieleinsatz von van Bommel brachte Uli Hoeneß in Rage. «Eigentlich hätte ich erwartet, dass man aus holländischer Sicht, nach dem unvorstellbaren Vorgang Arjen Robben, ganz kleine Brötchen backt und mal die Klappe hält», sagte der Bayern-Präsident im Gespräch mit Radio BAYERN 3. Hoeneß kritisierte aber auch Bayern-Kapitän van Bommel: «Auch Mark van Bommel muss sich allmählich die Frage gefallen lassen, wo sein Arbeitgeber ist - wenn er schon seit Wochen Knieprobleme hat, dann hätte man auch solche Länderspiele mal ausfallen lassen können».

In den kommenden zehn Tagen hat van Bommel Zeit, sich Gedanken zu machen. Wegen eines Faszienrisses mit Bluterguss im rechten Knie fällt der Niederländer für das Bundesligaspiel am 16. Oktober gegen Hannover 96 und die Champions-League-Partie am 19. Oktober gegen CFR Cluj aus. Auch Klose muss mindestens zehn Tage pausieren. Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt stellte beim DFB-Torjäger einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel fest. Fraglich ist zudem der Einsatz von Stürmer Ivica Olic, der wegen eines Nasenbeinbruchs operiert wurde, aber eventuell mit einer Gesichtsmaske spielen kann.

Dabei sind DFB-Spielführer Philipp Lahm und seine Kollegen nach den zwei gelungenen EM-Qualifikationsspielen mit neuem Mut und viel Tatendrang nach München zurückgekehrt. Doch daheim folgte der Doppelschock mit Klose und van Bommel. Arjen Robben kann frühestens im Januar wieder spielen, Franck Ribérys Comeback ist ebenso noch offen wie das von Bastian Schweinsteiger. Die Verletzungsmisere hatte den Bayern-Vorstand in Alarmstimmung versetzt - die Rückrufaktion für van Bommel vor dem EM-Qualifikationsspiel der «Elftal» gegen Schweden (4:1) löste den Streit mit dem KNVB aus.

«Es ist asozial, so etwas über die Medien zu spielen», empörte sich KNVB-Chef Bert van Oostveen, «das sieht schon ein wenig nach Schikane aus». Die Fronten haben sich total verhärtet. Die Bayern erwägen wegen van Bommels Verletzung rechtliche Schritte gegen den KNVB. «Einmal mehr wurde der Beweis erbracht, dass ein Verband ausschließlich seine eigenen Interessen vertritt und dabei sogar die Gesundheit der Spieler in Kauf nimmt», sagte Rummenigge.

Der Streit um Robben, der trotz einer Muskelverletzung bei der WM spielte, wird wahrscheinlich vor Gericht landen. «Wenn wir bis Monatsende keine gütliche Einigung und faire Lösung haben, werden wir ab November den Klageweg beschreiten», kündigte Rummenigge in der «Süddeutschen Zeitung» (Mittwoch) an. «Wir haben einen sportlichen Schaden, das sieht man in der Tabelle. Uns auch noch den finanziellen Schaden aufzubürden, halte ich für niveau- und stillos». Bayern fordert vom KNVB einen Schadensersatz im höheren siebenstelligen Bereich.