Washington (dpa) - Knapp ein halbes Jahr nach der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko hat die US-Regierung das Verbot von Tiefseebohrungen vorzeitig wieder aufgehoben. Innenminister Ken Salazar begründete dies mit strengeren Sicherheitsauflagen für diese Vorhaben und einer besseren Überwachung.

Die Behörden rechnen damit, dass zum Jahresende die ersten Bohrerlaubnisse vergeben werden. Zunächst sollte das Moratorium bis Ende November gelten. Zugleich gaben die Behörden an, dass noch immer rund 900 Kilometer verseuchte Küste untersucht und gereinigt würden. Nach wie vor seien Tausende Helfer im Einsatz. Streckenweise gingen sie mit Spezialmaschinen vor, die den Strand auf einen Meter Tiefe umpflügen und Teerklumpen sowie Ölreste aus dem Sand filtern, sagte der Regierungskoordinator Paul Zukunft am Mittwoch. «Einige dieser Aktivitäten werde bis in die Wintermonate dauern», sagte der Admiral.

Entwarnung gebe es aber für den Fischkonsum aus dem Golf von Mexiko. Bislang habe man lediglich bei zwei Stichproben Rückstände entdeckt. In weiten Teilen der Küstengewässer seien Fisch- und Krabbenfang wieder erlaubt.

Nach der schwersten bekanntgeworden Ölpest in der Geschichte hatte die US-Regierung hatte einen Stopp für Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko verkündet, der bis Ende November gelten sollte. Im April hatte die Explosion einer Ölplattform der britischen Firma BP eine Umweltkatastrophe ausgelöst. Insgesamt waren bei dem Desaster 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer geflossen - mehr als jemals zuvor bei einer Ölkatastrophe.

Es gebe «entscheidende Fortschritte, die mit Tiefseebohrungen verbundenen Gefahren zu reduzieren», sagte Salazar am Dienstag. «Die Öl- und Gasindustrie wird unter strengeren Regeln und unter strengerer Aufsicht arbeiten», fügte er hinzu.

Wegen dieser neuen Regeln gehen die Behörden nicht davon aus, dass bereits in Kürze neue Tiefseebohrungen gestartet werden. Die Industrie brauche Zeit, sich auf diese neuen Regeln einzustellen. «Das wird sicherlich nicht morgen oder nächste Woche sein», meinte Michael Bromwich, Chef des Bureau of Ocean Energy Management.  

Nach Verhängung des Moratoriums musste die Regierung zunächst Rückschläge in Kauf nehmen, weil Gerichte nach Einspruch der Ölindustrie den Stopp beanstandet hatten. Darauf erließ die Regierung aber ein erneutes Verbot von Tiefseebohrungen.