Berlin (dpa) - Auf den Schulhöfen soll nach dem Willen der Regierung möglichst nur noch Deutsch gesprochen werden. Freiwillige Selbstverpflichtungen könnten «an Schulen mit einem hohen Ausländeranteil ein wichtiger Schritt zu besserer Integration sein», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Möglichst viele Schulen sollten solche Vereinbarungen eingehen. «Es geht nicht darum, dass der Gesetzgeber sagt, was auf dem Schulhof gesprochen werden soll.» Zuvor hatte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), der Zeitung «Die Welt» (Donnerstag) gesagt: «Vor einem Jahr hat diese Diskussion noch einen Aufschrei hervorgerufen. Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Deutsch muss verpflichtende Schulsprache sein.»

FDP-Generalsekretär Christian Lindner forderte eine Deutschpflicht auf Schulhöfen - als Vereinbarung von Lehrern, Eltern und Schülern. «An manchen Schulen sind Deutsche inzwischen die Minderheit», sagte er der «Bild»-Zeitung. An einigen Schulen haben Lehrer, Eltern und Schüler eine Deutschpflicht beschlossen. «Das ist ein gutes Beispiel für andere», sagte er. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte den Vorschlag absurd, weil er nicht zu kontrollieren sei.

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sprach sich bei «Handelsblatt Online» für freiwillige Vereinbarungen aus. «Zwar wäre es zu begrüßen, wenn nur Deutsch auf dem Pausenhof gesprochen würde. Das kann aber nicht von oben angeordnet, überwacht oder gar bei Nichterfüllung sanktioniert werden.»

In einer von Schwarz-Gelb geplanten Arbeitsgruppe «Fachkräfte der Zukunft», an der Arbeitgeber und Gewerkschaften beteiligt werden sollen, wird es laut Seibert außer um Bildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und altersgerechtes Arbeiten auch um bessere Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gehen. Die Zuwanderung auf den deutschen Arbeitsmarkt werde ebenfalls eine Rolle spielen.

CSU-Chef Horst Seehofer hatte die Debatte über Zuwanderung mit der Bemerkung angefacht, Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern täten sich schwerer bei der Integration. Daraus ziehe er den Schluss, «dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen».

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, kritisierte einen Überbietungswettbewerb populistischer Phrasen. «Wir sägen da an unserem eigenen Ast, weil das Thema Sachlichkeit verlangt und qualifizierte Einwanderung für unser Land existenziell wichtig ist», sagte er der Wochenzeitung «Die Zeit».