London (dpa) - Der Verkauf des englischen Fußball-Traditionsclubs FC Liverpool an das US-Unternehmen New England Sports Ventures (NESV) ist deutlich näher gerückt.

Ein englisches Gericht entschied, dass der Versuch der amerikanischen Besitzer Tom Hicks und George Gillett, den Verkauf für 300 Millionen Pfund (343 Millionen Euro) durch das Auswechseln von Vorstandsmitgliedern zu verhindern, nicht rechtens war. Die US-Geschäftsleute hatten den «High Court of Justice» angerufen. Ob ein nicht zum Zuge gekommener Mitbieter, der Singapurer Geschäftsmann Peter Lim, noch Rechtsmittel einlegt, war allerdings zunächst unklar.

«Diese Entscheidung wird den Weg zum Verkauf ebnen», sagte der Liverpool-Vorsitzende Martin Broughton nach der Urteilsverkündung und kündigte an: «Wir werden heute Abend eine weitere Vorstandssitzung abhalten und mit dem Verkaufsprozess fortfahren.» Dutzende Liverpool-Fans feierten die Entscheidung vor dem Gerichtsgebäude und sangen die Vereinshymne «You'll Never Walk Alone».

Infolge der Übernahme durch Hicks und Gillett Anfang 2007, die den Verein für rund 200 Millionen Euro erwarben, ihn seitdem aber immer tiefer in die Misere führten, schuldet Liverpool der Royal Bank of Scotland (RBS) umgerechnet an die 280 Millionen Euro, die am 15. Oktober fällig werden. Bei Nichtrückzahlung droht dem Verein beziehungsweise dessen Mutterunternehmen die Insolvenz, die einen Punktabzug von neun Zählern durch die Premier League nach sich ziehen könnte. Dabei befindet sich Liverpool nach dem schlechtestem Saisonstart seit 1953 als Drittletzter bereits auf einem Abstiegsrang.

Hicks und Gillett hatten den Verkauf der «Reds» an die Besitzer des Baseballteams Boston Red Sox in letzter Sekunde zu verhindern versucht, indem sie Teile des selbst eingesetzten Vorstands entlassen wollten. Ihre Begründung: Das NESV-Gebot habe den Traditionsclub und 18-maligen Fußballmeister von der Merseyside unterbewertet, der tatsächlich das Doppelte wert sei.

Broughton, ein ehemaliger Chef von British Airways, hatte dieses Ansinnen zurückgewiesen und stattdessen mit dem Vorstand für den Verkauf gestimmt. Der «High Court» erklärte nun das Vorgehen von Hicks und Gillett für unzulässig. Richter Floyd verpflichtete die Noch-Besitzer vielmehr, den Vorstand in seiner vorherigen Form wieder einzusetzen.