London (dpa) - Die blamable WM ist kaum vergessen, da hat sich Englands Millionenensemble mit einer peinlichen Nullnummer gegen Fußballzwerg Montenegro erneut Hohn und Spott eingehandelt.

«Wie deprimierend, wie peinlich», stöhnte der «Daily Telegraph». Kein Biss, keine Leidenschaft, kein Aufbäumen - «Nicht gut genug. Noch nicht mal annähernd gut genug», urteilte «The Mirror». Die Montenegriner verteidigten dagegen tapfer ihren Spitzenplatz in der Gruppe G und bleiben die Überraschung der EM-Qualifikation. «Das übertrifft all unsere Erwartungen», jubelte Trainer Zlatko Kranjcar.

Im Mutterland des Fußballs ist der Katzenjammer nach dem ersten Punktverlust dagegen erwartungsgemäß groß. Als Sündenbock hat der Boulevard einmal mehr Trainer Fabio Capello auserkoren. Die «Sun» rechnete vor: «Sechs Millionen Jahresgehalt - und wir können immer noch keine Fußballzwerge schlagen. Capellos Fehlzünder griffen erneut ins Klo. Dabei hätte England Hackfleisch aus dem kleinen Montenegro machen sollen.»

Der italienische Coach, der nach den überzeugenden Auftaktsiegen gegen Bulgarien (4:0) und die Schweiz (3:1) nur kurz durchschnaufen konnte, war um Schadensbegrenzung bemüht. «Wir müssen es hinnehmen. Das ist Fußball, nicht Boxen, wo man gewinnt, weil man den Gegner öfter niederschlägt.» Dabei konnte England das 0:0 fast noch als Punktgewinn verbuchen, denn mit Milan Jovanovic' Lattentreffer sieben Minuten vor Schluss hatten die Gäste im Wembley-Stadion die beste Chance. «Wir hatten Glück», gab auch Capello zu.

Der «Daily Telegraph» haute Wayne Rooney und Co. die Dimensionen des Duells um die Ohren. «Die jüngste Fußballnation der Welt, ein Land mit nur 650 000 Seelen und ohne ihren einzigen Star, trotzen England ein Unentschieden ab, dem selbst ernannten Mutterland des Fußballs, das seit 1872 spielt - und, wenn man diesen traurigen Abend nimmt, sich seitdem nicht sonderlich entwickelt hat.»

«Capellos neue Ära erleidet den ersten Rückschlag», stellte die «Times» fest. «Der Optimismus nach den beiden Siegen über Bulgarien und die Schweiz vergangenen Monat hat sich schnell verflüchtigt, und es bleibt jetzt kaum noch Raum für Fehler. Nur drei Monate nach dem WM-Debakel steht England wieder unter Druck.»

Seinen Job wohl erstmal gerettet hat indes Ottmar Hitzfeld in der Schweiz. Mit dem ersten Dreier wahrten die Eidgenossen die Chancen auf eine Endrundenteilnahme 2012 in Polen und der Ukraine. «Das war sicherlich ein hochverdienter Sieg», sagte der frühere Bundesliga-Coach zum 4:1 über Wales.